Finanzmärkte (neu!). Ansprechperson: A.-K. Schneider/Sven Giegold Treffen 12./13. 12. 03(darin ist aufgegangen die alte AG "Stoppt Steuerflucht")
Soz. Sicherungssysteme (im Rahmen des Schwerpunktes Soziale Agenda)
Wissensalmende u. freier Infofluss (Treffen 6. 12. 03)
Frauennetz (Treffen 31. 01. 04)
Attac-Theaterfestival (22./29. 09. 04)
Attac-Filmfestival (4./10. 12. 03 in Berlin; www. globale03. de)
Im Winter 2001 hat sich in Karlruhe eine Attac-Gruppe gegründet. Inzwischen zählen wir etwa 200 Mitglieder, davon ca. 40 aktive, die in verschiedenen
Themengruppen organisiert sind. Hinzu kommen noch ca. 250 Interessierte, die sich über unser Mailingliste regelmäßig über Attac-Karlsruhe informieren. In den
Projektgruppen arbeiten Interessierte zum Zweck der Planung und Vorbereitung größerer Einzel-Vorhaben zusammen.
Für
allgemeine Informationen habe wir die Mailingliste "attac-karlsruhe-info@yahoogroups.de" eingerichtet. Derzeit habe sich etwa 350 InteressentInnen bei ihr eingeschrieben. Das Abonnieren geschieht dadurch, dass man eine (beliebige) Mail an die Mailadresse:
attac-karlsruhe-info-subscribe@yahoogroups.de schickt, dessen Antwort abwartet und diese Antwort (gemäß der dortigen Aufforderung) nochmals als "Antwort", dh. mittels der "Antwort-Funktion" (reply), zurückschickt.
Diese Mailingliste (
attac-karlsruhe-info@yahoogroups.de) ist für diejenigen gedacht, die einfach nur informiert sein wollen, was in der Karlsruher Attac-Ortsgruppe so läuft und kein Interesse an langen Grundsatzdiskussionen haben.
Für
Diskussionen sind die Mailinglisten der einzelnen Gruppen gedacht, sowie die Mailingliste:
attac-karlsruhe@yahoogroups.de
Um sich bei dieser and bei den Mailinglisten der Gruppen anzumelden, sendet man, wie oben beschrieben, eine e-mail an:
attac-karlsruhe-subscribe@yahoogroups.de
bzw.
für die
Hintergründe - Gruppe an:
attac-karlsruhe-hintergruende-subscribe@yahoogroups.de
für die
SoWiReg - Gruppe an:
attac-karlsruhe-sowiregional-subscribe@yahoogroups.de
für den
Arbeitskreis Globalisierung und Krieg an:
attac_karlsruhe_GuK-subscribe@yahoogroups.de (kann nur von den in der AG bekannten und dort mitarbeitenden Personen genutzt werden)
attac_karlsruhe_GuK_termin-subscribe@yahoogroups.de (für Hinweise auf Veranstaltungen der GuK-AG und anderer Karlsruher Gruppen zum spezifischen Thema; kann von jedermensch abonniert werden)
Zur besseren Organisation der gewachsenen Aufgaben und zur Koordinierung von gemeinsamen Aktivitäten wurde der Koordinierungskreis eingerichtet. Darin vertreten sind MitgliederIn von Attac-Karlsruhe, die über die Arbeit in den Gruppen hinaus Veranstaltungen und Aktionen organisiseren und koordinieren möchten. Nach Möglichkeit sollte jede Themengruppen durch mindestens eine/einer im KoKreis vertreten sein und zu entscheidenen Fragen in die Arbeitsgruppen hineintragen und deren Meinung wieder im KoKreis vertreten.
Hier ein Überblick über die Aufgabenverteilung:
Gudrun Reiss
Fon: 07202-8989,
Gudrun.Reiss@web.de
- Ansprechpartner für Attac-Karlsruhe für interne und externe Kontaktaufnahme
- Organisation, Moderation und Ankündigung der KoKreis-Treffen (zusammen mit Günter)
Siegfried Mutschler-Firl
Fon: 0721-474151,
mail@mutschler-firl.de
- Ansprechpartner für Attac-Karlsruhe für interne und externe Kontaktaufnahme
Carolin Franta
Fon: 07243-90367,
carolin.franta@attac.de
- Pressearbeit: Kontakt zur Medine im Raum Karlsruhe, Pressemitteilungen
Pflegt den Presseverteiler
- Materialbeauftragte: Verwaltung und Bestellung von Material
Günter Schmidtke
Fon: 0721-93115-14,
gue.schmidtke@t-online.com
- Organisation, Moderation und Ankündigung der KoKreis-Treffen (zusammen mit Gudrun)
- Kassenwart, Finanzverwaltung
- Lagerung des Materials
Unser Konto: Share e.V. / Attac-Karlsruhe
Volksbank Karlsruhe, BLZ: 661 900 00
Konto-Nummer: 664 386 00
Elke Neu
Fon/Fax 0721-575944,
Elke.maria@arcor.de
- Redaktion des Infobriefes. Wegen Terminen, Planungen, Neuigkeiten, wichtige (etwas längerfristige Infos) bitte bei Elke melden, damit sie diese im Infobrief veröffentlichen kann.
- Weiterleitung von [Gruppen]-Nachrichten an den Ko'kreis, bzw. Attac-Karlsruhe-Infoliste oder Attac-Karlsruhe-Liste.
- Sammlung von Artikeln zu Attac-Karlsruhe als Dokumentation. Hinweise darauf werden gerne entgegen genommen, insbesondere was die BNN betrifft.
Christa von Barner
Fon: 0721-71065,
cvbarner@freenet.de
- Mitgliederverwaltung, abgleichen von Post- und Mailadressen
- Postversand des Infobriefes
Wolfgang Hinderer
Fon: 0721-885408,
wolfgang@hinderer-ka.de
Wolfgang koordiniert die Arbeit der Spezialisten im Netz:
Franz Eschbach
Franz_1789@gmx.de
- Inhaltliche Bearbeitung der Webseiten www.attac-karlsruhe.de und www.attac-netzwerk.de/karlsruhe
( Infos und Veranstaltungen zum attac-Themenkreis, die auf dieser Website bekannt gemacht werden) sollen, bitte an attac_karlsruhe_www@gmx.de senden.
- E-Mail-Weiterleitung, bzw. -Verteilung von [Gruppen]-Nachrichten an den Koordinationskreis und die lokalen Arbeitskreise, bzw. an die Attac-Karlsruhe-Infoliste oder Attac-Karlsruhe-Liste.
Alexander Gehrecke (Web-Design und Programmierung, Webhosting)
a_gehrecke@attac-karlsruhe.de
Zum Bericht vom Geburtstagsfest
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I Jahr Attac Karlsruhe und Umgebung
Wir laden alle
Freundinnen und Freunde
Mitglieder und Neugierige
Verwandte und Bekannte ein zu
+Aktion
13:00 Uhr In der Karlsruher Fußgängerzone
(Kaiser-/Ritterstraße)
X-tausend mal NEIN zum Krieg!
(Mit dem Friedensbündnis am bundesweiten Aktionstag gegen den Krieg)
Keine Privatisierung der Daseinsvorsorge - NEIN zu
GATS?!
Konferenz
14:30 Uhr AnneFrankHaus? (Moltkestraße 20 bei der Jugendherberge)
Vorstellung der Arbeit in den
GruppenZumMitmachen
(
AttacJugend,
ThemengruppeGATS?,
WTOundWiderstand?,
KriegUndGeld?,
AttacHintergruende?,
AttacKoordination?)
und unserer Gäste aus dem Elsass
Referat von Sven Giegold (
Attac-Deutschland)
"Auf dem Weg zu einer anderen Welt"
Moderierte Tischgespräche zum Kennenlernen
Kabarett mit Konrad wacker, "myster syms" - Livemusik zum Tanzen
+Fest
Kaffee & Kuchen, Getränke & Buffet bis 23:00 Uhr
Sa, 26.10.02
--
attac-karlsruhe-koordination@yahoogroups.de, c/o S.Leidig, Ettlinger Straße 3a, 76137 KA, tel: 931210
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Karlsruher attac-Gespräche
Karlsruher attac-Gespräche
Brennpunkt: Naher Osten
vom 28. Januar bis 06. Februar 2003
Für die gegenwärtige US-Administration ist ein Krieg gegen den Irak ein integraler Bestandteil des nach den Anschlägen vom 11. September aufgenommenen globalen Krieg gegen den internationalen Terrorismus.
Während der amerikanische Truppenaufmarsch am Persischen Golf unvermindert weitergeht, formiert sich weltweit der zivile Widerstand gegen diesen Krieg. In manchen europäischen Ländern liegt der Anteil der Kriegsgegner bei weit über 90%.
Gleichwohl ist in weiten Teilen der Öffentlichkeit ein Informations- und Diskussionsbedarf erkennbar, der sich bei der Analyse der gegenwärtigen weltpolitischen Lage nicht mit simplistischen Deutungsmodellen zufrieden geben will, wie sie etwa Samuel Huntington ("Krieg der Kulturen") anzubieten hat, der als Exponent der neo-konservativen Denkschule schlechthin gelten darf. Der realpolitische Diskurs wird aber zur Zeit in weiten Teilen von eben diesem Erklärungsmodell bestimmt.
Voraussetzung für eine Diskussion sind Informationen - hilfreich sind mitunter aber auch Denkanstöße. Hier will attac mit den
Karlsruher attac-Gesprächen: Brennpunkt Naher Osten helfen, eine Lücke zu schließen: In einer vierteiligen Veranstaltungsreihe und den sich anschließenden Gesprächen sollen ausgewählte Themen behandelt und Diskussionsansätze angeboten werden.
Jenseits parteipolitischer und ideologischer Gräben war bei der Auswahl der Referenten vor allem die Kompetenz in ihrem jeweiligen Bereich entscheidend. Das Spektrum ist dabei bewusst ausgeweitet worden, um auch spezifisch deutschen Fragestellungen innerhalb des Themenkomplexes "Naher Osten" Raum zu geben. Die Reihe wird durch einen medienanalytischen Beitrag eingeleitet. Die Vorträge finden im Januar und im Februar 2003 statt.
Vortrag von Sabine Schiffer MA, Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen
»Medien und Krieg - Über Märchen, Mythen und Berichterstattung«
Dienstag, 28. Januar 2003, 20:00 Uhr im Jubez
Im Irak ist heute nichts anders als vor 2 Jahren. Es wird nur darüber geredet. Das verstärkte Thematisieren von Vorgängen, die teilweise über ein Jahrzent zurückliegen, schafft aber den Eindruck eines erhöhten Bedrohungspotenzials, auf das die "informierte" Welt reagiert. Allerdings hat sich nach dem letzten Golfkrieg gezeigt, dass das Bedrohungspotenzial ein vermeintliches war und verdeckte und offene Manipulationen dazu dienten, den Krieg zu legitimieren. Warum finden diese Erkenntnisse in den Massenmedien keinen angemessenen Raum?
Moderne Kriegsführung ist ohne moderne Medien nicht möglich. Medienmanagement spielt in den Machtzentren der Welt eine zunehmend starke Rolle. Die berichteten Katastrophen verändern unsere Wahrnehmung der Welt. Vermeintliche Informationen entpuppen sich aber immer wieder als versteckte Legitima-tionsquellen für die zunehmende Aufrüstung zur Selbtverteidigung. Sind wir nun real in Gefahr oder wird ein Angstgefühl geschürt, um bestimmte politische Ziele durchzusetzen?
Der Prozess der Konstruktion von Medienwirklichkeiten ist nicht so undurchschaubar wie wir glauben. Anhand einschlägiger Beiträge aus unserem Medienumfeld werden wir mit unterschiedlichen Methoden erarbeiten, wie im Entstehungsprozess der medialen Äußerungen Meinungen, Manipulationen und Fehlinformationen als seriöse Berichterstattung ihr Ziel erreichen. Wir werden Techniken kennenlernen, die es uns ermöglichen, mit objektivierbaren Maßstäben und einem wachen Blick Medienbeiträge themenunabhängig beurteilen zu können.
Sabine Schiffer
ist Medienpädagogin an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Sie publiziert und hält Vorträge zum Thema Medienanalyse/Medienkritik.
Vortrag von Dr. Ludwig Watzal, Bonn
»Die US-Nahostpolitik nach dem 11. September 2001«
Donnerstag, 30. Januar 2003, 20:00 Uhr im Jubez
Die Anschläge vom 11. September 2001 haben die Agenda in den internationalen Beziehungen von Grund auf verändert. Die Bekämpfung des "inter-nationalen Terrorismus" in all seinen Schattierungen steht seither im Zentrum der amerikanischen Außenpolitik. Aspekte sozialer Gerechtigkeit, der Freiheit von Unterdrückung und Ausbeutung sowie das Rechtes auf Selbstbestimmung sind nicht nur in Verruf geraten, sondern werden als Terrorismus gebrandmarkt wie im Nahen Osten. Welche Nahostpolitik verfolgen die USA? Welches sind ihre Verbündeten? Geht es in dem bevorstehen Krieg gegen den Irak um das Auffinden von Massenvernichtungswaffen, Terrorbekämpfung, Demokratisierung autoritärer Regime oder um Öl? Wer sind die Verbündeten der USA in der Region? Welche Rolle spielen die EU und die NATO in den geopolitischen Überlegungen der Amerikaner?
Dr. Ludwig Watzal
, Nahostexperte und Lehrbeauftragter an der Universität Bonn, wird in seinem Vortrag versuchen, diese Fragen zu beantworten. Der Referent hat mehrere Bücher zum Nahostkonflikt geschrieben: Zuletzt erschienen: Feinde des Friedens. Der endlose Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, Aufbau Verlag, 2. Aufl., Berlin 2002.
Vortrag von Dr. Heinz Loquai, Brigadegeneral a. D.
»Krieg als Mittel der Politik - Vom Balkan über Afghanistan in den Irak«
Dienstag, 04. Februar 2003, 20:00 Uhr im Jubez
Der Ruf "Nie wieder Krieg" ist in der deutschen Politik verhallt. Die Bundesregierung gefällt sich in ihrer wiedergefundenen deutschen Normalität, weltweit deutsche Soldaten einzusetzen. Die Militarisierung der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik erhielt einen kräftigen Schub durch die damalige Regierung mit der Beteiligung der Bundeswehr am Krieg gegen Jugoslawien im März 1999.
Im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus stellt Deutschland das zweitgrößte Kontingent. Auch an einem wahrscheinlich nicht mehr abzuwendenden Krieg gegen den Irak wird sich Deutschland, trotz gegenteiliger Beteuerungen, maßgeblich beteiligen.
Der Referent analysiert und diskutiert den Weg der deutschen Beteiligung am Luftkrieg gegen Jugoslawien und die Konsequenzen, die sich daraus ergaben. Er stellt die Entwicklung der NATO von einer Verteidigungs- zu einer Interventionsallianz dar und die daraus folgenden Auswirkungen für die Bundeswehr. Die im globalisierten Krieg gegen den Terrorismus und in dem bereits begonnenen imperialen Krieg gegen den Irak erkennbaren Tendenzen zum umfassenden Krieg werden thematisiert einschließlich der Rolle der Medien in diesen Kriegen.
Dr. Heinz Loquai
, Brigadegeneral a. D., war während seiner Dienstzeit im Verteidigungsministerium sechs Jahre auf dem Gebiet der Sicherheits- und Militärpolitik eingesetzt. Bei der deutschen NATO-Vertretung in Brüssel lernte er die NATO als Verteidigungsbündnis von innen kennen. Zum Abschluss seiner Dienstzeit (1995 bis 1999) war er Leiter einer Militärberatergruppe bei der deutschen OSZE-Vertretung in Wien. Er befasste sich dort mit der Abrüstung und Rüstungskontrolle, Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen und mit den Konflikten im ehemaligen Jugoslawien. Sein Buch "Der Kosovo-Konflikt - Wege in einen vermeidbaren Krieg" setzt sich kritisch mit der deutschen Politik während dieses Konflikts auseinander.
Podiumsgespräch mit Dr. Ullrich Lochmann (attac Karlsruhe), Shraga Elam (israel. Journalist, Zürich), Dr. Hajo G. Meyer (Publizist und Holocaust-Überlebender, Niederlande)
»Der deutsch-israelische Dialog«
Donnerstag, 06. Februar 2003, 20:00 Uhr im Jubez
Der in München arbeitende jüdische Historiker Michael Wolffsohn vermutet in der jüngsten Bitte Israels an Deutschland um Waffen eine "konzertierte Aktion zwischen den Vereinigten Staaten und Israel". Der Grund dafür liege in der "Disziplinierung bundesdeutscher Außenpolitik" und diene dazu, diese "gegen sich selbst zur Vernunft" zu bringen und so eine "Rückführung der Bundesrepublik Deutschland in das westliche Lager" zu erwirken. Er stellt fest, dass man in Deutschland nicht zwischen einer Politik gegenüber den USA und einer Politik gegenüber Israel unterscheiden könne.
*
In einer Zeit also, in welcher der Nahe Osten wieder in verstärktem Maße Projektionsfläche militärischer Macht der USA wird, rückt auch Israel in den Vordergrund der Diskussion. Hier aber wird die Lage für den deutschen Diskutanten prekär: Eine Positionsfindung kann nur vor dem Hintergrund des besonderen Verhältnisses zwischen Deutschland und Israel stattfinden.
Shraga Elam
ist ein in der Schweiz lebender israelischer, investigativer Journalist und Buchautor. Sein Fokus liegt auf dem israelisch-palästinensischen Konflikt und der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Er ist Mitbegründer der arabisch-israelischen Organisation "Koexistenz". Seit 2000 beobachtet und untersucht er die militärischen und politischen Planungen Israels und hat dazu einige Schriften veröffentlicht. Er ist Autor des Buches "Hitlers Fälscher", Ueberreuter Verlag, Wien 2000 und Ko-Autor von: "Die Schweiz am Pranger", Ueberreuter Verlag Wien, 1997.
Dr. Hajo G. Meyer
wurde 1924 in Bielefeld geboren. Ihm gelang 1939 die Flucht in einem Kindertransport in die Niederlande. Nach mehreren Durchgangsstationen in Flüchtlingslagern arbeitete er als Landarbeiter und Maschinenschlosser, bis er schließlich nach der Besetzung der Niederlande in den Untergrund ging. Im März 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert. Nach der Befreiung kehrte er in die Niederlanden zurück und studierte theoretischen Physik. Bis 1984 arbeitete er in den Forschungslaboratorien von Philips, Niederlanden, zuletzt als leitender Direktor der Forschung von Philips. Seit seiner Pensionierung 1984 arbeitet Herr Meyer als selbstständiger Instrumentenbauer. Als Publizist interveniert er regelmäßig in der Diskussion über das deutsch-israelische Verhältnis.
Dr. Ullrich Lochmann
studierte Theologie und war bis zu seiner Pensionierung Akademiedirektor für den Bereich Arbeit und Wirtschaft in der evangelischen Akademie Karlsruhe/Bad Herrenalb. Herr Lochmann ist ein Mitgründer von attac in Karlsruhe.
*)
Michael Wolffsohn in "Berlin wird diszipliniert", Kölner Stadt-Anzeiger vom 2.12.2002
Veranstalter dieser Vortragsreihe ist
attac Karlsruhe, Arbeitsgruppe "Krieg und Geld", in Kooperation mit dem Jubez/Stadtjugendausschuss e.V. und der freundlichen Unterstützung des Friedensbündnis Karlsruhe. Anstatt eines Eintritts wird um einen Unkostenbeitrag von 3 Euro gebeten.
Veranstaltungsort: Jubez, Am Kronenplatz 1, 76133 Karlsruhe, Telefon (0721) 935193
http://www.attac-karlsruhe.de
ViSdP: Ionel Spanachi, Klauprechtstr. 22, Karlsruhe
„Genug für alle!“
Bericht über den 2. Kongress der Attac-Regionalgruppe Karlsruhe
Am Samstag, den 3. April 2004 veranstaltete Attac Karlsruhe anlässlich des Europäischen Aktionstages gegen Sozialabbau seinen 2. regionalen Kongress. Das diesjährige Motto lautete „Genug für alle! – Globalisierung und Sozialabbau“. Über 80 Gäste hörten in den Räumen des Jubez die Vorträge der Referenten, nahmen an verschiedenen Workshops teil und diskutierten über Perspektiven und Wege aus der Krise.
Grossen Anklang fand der Beitrag von Prof. Dr. Christoph Butterwege von der Universität Köln „Vom Wohlfahrtsstaat zum Wettbewerbsstaat“. Seine ebenso kritische wie scharfsinnige Analyse der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik, von der zunehmenden Ausgrenzung sozial Schwacher bis hin zur Gefährdung demokratischer Grundwerte, traf den Nerv des Publikums und bot die Grundlage für lebhafte Diskussionen unter den Zuhörern bis zur Mittagspause.
Am Nachmittag dann, verteilten sich die KongressteilnehmerInnen auf drei Workshops zu folgenden Themen:
- „Arbeit, Beschäftigung und soziale Absicherung“, geleitet von Dr. Ulrich Fiedeler (Attac Karlsruhe) sowie Daniel Wolf von der Arbeitsgemeinschaft „Regiogeld“
- „Globalisiserung und Waffenlobby am Beispiel Süddeutschland“ mit Jürgen Grässlin, bekannt sowohl als Aktivist in mehreren rüstungskritischen Organisationen als auch durch sein Buch „Versteck dich, wenn sie schiessen!“
- „Kapitalismus außer Kontrolle – Zur Ideologie des Sharholder Value“ mit Reinhard Blomert, Autor des Buches „Die Habgierigen“.
Fundierte und informationsreiche Impulsreferate lieferten „Stoff“ zum Nachdenken, Nachfragen, Mitreden und „Mitspielen“ – so wurde im Workshop von Jürgen Grässlin mit großer Begeisterung eine Sitzblockade vor einem DaimlerChrysler-Werk nachgestellt und verbale Auseinandersetzungen mit der Werksleitung improvisiert…
Dem Abschlussplenum ging ein Vortrag von Peter Schönhöffer von Pax Christi und Attac Münster voraus, in dem er die Langzeitperspektiven der „neuen Internationale der Hofffnung“ in Form eines Gegenkonzeptes zur Gestaltung einer gerechten Globalisierung vorstellte. Während der anschließenden Podiumsdiskussion „verloren“ sich die TeilnehmerInnen zeitweilig in einer abstrakt-philosophischen Debatte zu Fragen von Moral und Ethik, die sich jedoch bald wieder der entscheidenden Frage zuwandte: Was können wir tun, um den Niedergang des Sozialstaates aufzuhalten und die Lebensqualität seiner BürgerInnen zu sichern?
Das Fazit: Aufklärung der BürgerInnen, Solidarität mit den Schwachen und Ausgegrenzten, Entlarvung der Wirtschaftslüge „Alternativlosigkeit“ und Organisation und Vernetzung von Aktiven und Gruppen, um ein menschliches Konzept der Globalisierung zu verwirklichen und den im Überfluss vorhandenen Reichtum gerecht zu verteilen, denn es gibt…
…genug für alle!
Pressekontakt Attac Karlsruhe: Carolin Franta, Dürerstr. 2, 76275 Ettlingen, cfranta@web.de
>
Bisher gibt es noch keine offizielle Seite der Gruppe. Ich habe ein paar Anregungen eingefügt.
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ArneBab - 15 Jun 2002
Einführung
Die Lieder, Gedichte, Bilder und Geschichten einer Protestbewegung sind nicht nur eine Spielerei, sondern ein wichtiges Standbein ihres erfolges. Hier sollen alle die Möglichkeit haben ihre Werke zu veröffentlichen, wobei andere Mitglieder von
Attac-Karlsruhe ihre Kommentare dazu abgeben können.
Jede/s der
LiederGedichteGeschichten und
BilderBannerPhotos ist für die Bewegung nützlich, selbst wenn es nicht direkt übernommen wird, denn auch dann wird es anderen als Anregung dienen und direkt zur Entstehung einer neuen Protestkultur beitragen. Hier auf der Seite werden nur die bereits kritisierten Werke aufgelistet.
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Ich hoffe dieser Text bleibt keine zwei Wochen lang unverändert *g*
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ArneBab - 15 Jun 2002
UeberDieAttacKulturGruppe?
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Will nicht jemand was sagen?
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ArneBab - 15 Jun 2002
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Hier findet ihr Raum für Schriftstellerische Kreativität.
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Hier ist der Platz für euer Geknipstes, Gezeichnetes und Gemaltes.
Attac 1 11
Attac 1 11.11.03 Tomas Martin
Struktur / Organe von Attac Deutschland
Das Konsens-Prinzip
Entscheidungen in allen Organen im Konsens herbei geführt (max. 10% Gegenstimmen toleriert). Unpolitische Fragen (Finanzen, Ort des Ratschlages,...) können mit einfacher Mehrheit entschieden werden.
Der Ratschlag
Höchstes (öffentliches ) Entscheidungsgremium (zwei Mal pro Jahr). Abstimmungen und Wahlen durch Delegierte der Ortsgruppen und Mitgliedsorganisationen. Im Wechsel als Basistreffen für politische Debatten und als Entscheidungsgremium (Schwerpunkte, Wahlen zum Rat und Ko-Kreis, Budget).
Der Attac-Rat
Weitreichende strategische Empfehlungen (vier Mal pro Jahr, öffentlich, ohne Presse). Vernetzung der Gruppen und Mitgliedsorganisationen. Vorbereitung der Ratschläge. Legitimierung der bundesweiten Arbeitszusammenhänge (Schwerpunkte, AG`n, Kampagnen).Terminkoordination bundesweiter Veranstaltungen.
Der Koordinierungskreis
Arbeitsgremium, das sich mind. monatlich trifft. Er vertritt Attac im Rahmen der Beschlüsse des Rates und des Ratschlages nach außen, organisiert die bundesweiten und internationalen Aktionen und regelt den Informationsfluss.
Das Büro
Es wird vom Ko-Kreis eingesetzt und kontrolliert. Es verwaltet Attac und unterstütz auf vielerlei Weise, trifft jedoch keine politischen Entscheidungen.
Die bundesweiten Arbeitsgruppen (AG)
Sie vertreten, wenn sie vom Rat anerkannt sind, ihre Arbeit selbständig nach außen.
Ortsgruppen
(ca. 210 in Deutschland)
Regionen
(die nach Nord/Ost/Süd/West zusammengehörigen Ortsgruppen)
Wissenschaftlicher Beirat
Statement zum Attac-Programm
Das entfessselte neoliberale System versagt.
Nirgendwo entstehen blühende Gemeinwesen. Nirgendwo entsteht nachhaltiger Wohlstand! Nirgendwo wird Armut beseitigt. Nicht in den USA, nicht in Europa, nicht in Japan, nicht in Rußland und auch nicht in den einstigen Tigerstaaten und schon gar nicht in den armen Entwicklungsländern. Das längst überwunden geglaubte Recht des Stärkeren setzt sich durch und provoziert unvorhersehbare und unaufhaltsame nationale und globale Krisen.
In der Folge der sich ständig wiederholenden Krisen ist es heute die Argentinienkrise, die eine ganze Bevölkerung in bittere Armut zurückwirft. Andere Länder stehen hart am Abgrund einer Krise.
Die aufgeblasene New Economy ist ebenso wieder zusammengefallen, wie Teile des künstlich geblähten Finanzsystems.
Nirgendwo kann die strukturelle Arbeitslosigkeit beseitigt werden – nicht in den Industrieländern und noch weniger in den Entwicklungsländern. Alle Vorschläge die von Kommissionen (z.B. Harts-Kommission) oder von Initiativen (Initiative Freie Soziale Marktwirtschaft) in Deutschland entwickelt worden sind, sind im Grunde Eingeständnisse, daß das neoliberale System kein Mittel hergibt, mit dem mehr Arbeit geschaffen werden könnte, als durch kapitalintensive Rationalisierung verloren geht; und daß die weltweiten Wirtschftaftskrisen eine schnelle Entwicklung der Exportmärkte nicht erlauben und eine anhaltende Kreativitätskrise und stagnierende oder sinkende Kaufkraft keinen wachsenden Binnenmarkt erzeugen. So erschöpfen sich die Vorschläge darin, wie das schrumpfende Arbeitsangebot effizienter verteilt werden könnte. Am Ende entsteht der beschämende Eindruck, daß ausgerechnet die Unterprivilegierten, die Billiglöhner, die Arbeitslosenhilfe- und Sozialhilfeempfänger und die teilzeitarbeitenden Frauen, alle die
VertreterInnen? des Working Poor durch ein kollektives Opfer den Wirtschaftsstandort einer der mächtigsten und reichsten Industrie- und Bankenstandorte der Welt retten müßten. An dieser Stelle darf darauf hingewiesen werden, daß das mächtige, institutionelle Kapital, das frei von jeder gesellschaftlichen, humanen oder vernünftigen Verpflichtung weltweit vagabundiert, weit davon entfernt ist, irgendwo kostentreibende Vollbeschäftigung zu wünschen. Logischerweise ist es an niedrigsten Lohn- und Gehaltskosten interessiert und wird dabei allenfalls gebremst durch die Angst, daß die Märkte durch die Störung des inneren Friedens (Streiks, Aufstände) gestört werden könnten. All dies gilt insbesondere auch für die Länder, die angeblich das Problem der Arbeitslosigkeit weitgehend gelöst haben, wie die USA, England oder Holland.
Die Gesellschaften spalten sich in immer mehr Arme und wenige Reiche, die immer mehr persönlichen Reichtum an sich ziehen – das gilt für reiche Länder ebenso, wie für die armen.
Nirgendwo entsteht gesellschaftlicher Friede, stattdessen wächst weltweit das organisierte Verbrechen, der Terrorismus, die Alltagskriminalität und in erschreckender Weise die Jugend- und Kinderkriminalität.
Tradierte Formen des Zusammenlebens in Familien, Freundeskreisen und anderen Gemeinschaften werden durch die Zwänge der Flexibilisierung der Arbeit zerstört, und die Entwicklung eines stabilisierenden Gefühls von Heimat wird unterbunden. Die Wirkung insbesondere auf Kinder und Heranwachsende ist offenkundig!
In Ländern, in denen der Turbokapitalismus am weitesten fortgeschritten ist, z.B. in England,
zeigen sich die Niedergangsphänomene am dramatischsten. Dazu sagt Peter Hölzle 1) „Eine am Vorbild des amerikanischen Arbeitsmarktes orientierte Arbeitsgesetzgebung nötigt den Arbeitnehmern mehr Mobilität und mehr Lohnflexibilität nach unten ab und erzwingt so eine erhebliche Senkung der Arbeitskosten. Die Kürzung sämtlicher Sozialleistungen wie der Arbeitslosenunterstützung drängt ihre Empfänger auf einen Arbeitsmarkt ab, auf dem sie über Billigstlohngruppen nicht mehr herauskommmen.“ und „Seit 1979(dem Regierungsantritts Margeret Thatchers) profitierten die niedrigsten Einkommensgruppen nicht mehr vom Wirtschaftswachstum. Und nach 1977 stieg jener Bevölkerungsanteil, der weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens bezieht, um das Dreifache.“ und „1970 sind in England und Wales ungefähr 1,6 Millionen Verbrechen aktenkundig geworden, 1981 waren es 2,8 Millionen, Ende 1990 4,3 Millionen und 1992 5,6 Millionen“. und „An die zwei Millionen britischer Kinder sind infolge Unterernährung krank und weisen Wachstumsbehinderungen auf. Ursache ist eine in diesem Umfange seit den dreißiger Jahren nicht mehr aufgetretene Armut.“ (Peter Hölzl gibt in diesem ganz hervorragenden Radiofeature des Bayerischen Rundfunks eine Fülle von weiteren Fakten und nennt wertvolle Quellen!!)
Offenkundig sind insbesondere Frauen und Kinder die Opfer des außer Kontrolle geratenden Wirtschaftssystems.
Das beunruhigende Niedergangsphänomen zeigt sich auch in Baden-Württemberg. Anselm Weidner nennt in einer Sendung des SWR 2 (Wissen 24.08.2002) Zahlen. „Seit 1990 hat sich die Zahl der registrierten tatverdächtigen Kinder unter 14 Jahren in Baden-Württ. lt. Kriminalstatistik des Jahres 2000 verdoppelt, bei Jugendlichen um 69% erhöht. Die Gewaltkriminalität bei Kindern unter 14 Jahren (!) ist in den 10 Jahren um 441% , bei Jugendlichen (14-18Jahre) um 189%, bei Heranwachsenden (18-21 Jahre) um 53%gestiegen.“ Bei diesen Zahlen handelt es sich um das Hellfeld – die Dunkelziffer ist unbekannt.
Das neoliberale Einheitsdenken versagt.
Es kann offensichtlich kein qualitatives Wachstum und noch weniger eine intelligente und umwelterhaltende Kreislaufwirtschaft hervorbringen. Es ignoriert die Umweltprobleme und zerstört, ungebremst durch dringende Warnungen eines Teils der Wissenschaft und höchst beunruhigende Häufungen von Wetterkatastrophen, das Ökosystem der Erde. Durch Ignoranz wird die Forderung nach nachhaltigem Wirtschaften zu leerem Geschwätz. Die Schäden überschreiten in vielen Ländern längst das Wachstum des Bruttosozialprodukts.
Es ignoriert auch zunehmend sein ureigenes Prinzip des fairen Wettbewerbs, in dem multinationalen Konzernen erlaubt wird, sich der nationalen Steuerzahlung zu entziehen (Steueroasen), während die lokalen Mitbewerber das nicht können. Es ignoriert zunehmend das Prinzip der offenen Märkte, in dem es gewaltige, globale Konzentrationsbewegungen zuläßt, wodurch die Tendenz zu Kartellen und Monopolen zum langfristigen Schaden der Konsumenten immer deutlicher wirksam wird. Es ignoriert immer mehr das Prinzip der Markttransparenz, in dem es die Verschachtelung und Verschleierung ganzer Konzerne ermöglicht. Auf ähnliche Weise werden Kapitalströme an allen Kontrollen vorbei gelenkt und zur Finanzierung des organisierten Verbrechens und des internationalen Terrors verwendet. Längst kann nicht mehr festgestellt werden, in welchem Umfange das organisierte Verbrechen in die Weltwirtschaft eingedrungen ist.
Ungeheure Kapitalmengen sind außerhalb ausreichender Kontrolle künstlich erzeugt worden (sie haben keinerlei materielle Deckung) und bewegen sich mit Hilfe neuer Medien ungehemmt durch die Wirtschafträume. Weniger als 5% dienen der Finanzierung realer Geschäfte, bei denen auch Arbeitsplätze und allgemeiner Wohlstand entstehen können, der Rest bildet die Basis des Kasinokapitalismus und macht uns vollends zu einer Spielergesellschaft, an der wir uns nun auch noch mit unseren Renten beteiligen sollen. Es ist eine unerträgliche Belastung für die Weltgesellschaft, daß Jahr für Jahr ein weiteres Land (Mexiko / Thailand / Korea / Indonesien / Brasilien / Rußland / Argentinien) durch eine Wirtschafts- und Finanzkrise an den Rand des Staatsbankrottes gebracht wird und in der Folge ganze Bevölkerungen in ein unverschuldetes Massenelend zurückfallen, ganz zu schweigen von den Folgekosten, welche die Steuerzahler der reichen Länder aufzubringen haben, damit sich diese Krisen nicht zu einer Weltwirtschaftskrise unbegrenzten Ausmaßes entwickeln.
Attac fordert die weltweite Abschaffung der Hedge Fonds, deren Zerstörungskraft sich besonders in der derzeitigen Krise verschärft zeigt. Der Spiegel beschreibt in seiner Ausgabe 27/2002 Seite 88 deren Prinzip wie folgt:“Hedge Fonds leihen sich Aktien von denen sie glauben, daß sie abstürzen werden. Dann verkaufen sie die Stücke, was den Kurs schon etwas drückt, vor allem aber weitere Verkäufe nach sich zieht. Wenn ihre Rechnung aufgeht, können sie ihre Aktien an der Börse wieder billig einsammeln und dem Verleiher zurückgeben. Je tiefer die Papier fallen, desto höher ist ihr Gewinn. Doch wer leiht den Spekulanten die Aktien? Es sind Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Investmentfonds, die den Hedge- Fonds gegen eine geradezu lächerliche Gebühr die Munition für ihre Attacken liefern - und damit den eigenen Kunden oft schaden.“ und „Die Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks-und Raiffeisenbanken, hat allein in ihren 3,2 Milliarden Euro schweren
UniEuroStoxs? 50 rund 30% ihrer Bestände, also eine Milliarde Euro, verliehen. Titel von Siemens, Deutsche Bank, Aventis, Nokia oder Royal Dutch gehen so an die gefürchteten Hedge Fonds.“ und „Hedge-Fonds spekulieren mit der Angst der Anleger, sie verstärken die Ausschläge nach unten, und die lassen das Vertreuen weiter schwinden.“ Die Verachtungs gegenüber einer Gesellschaftsform, die sich allgemeinem Wohlstand, innerem Frieden, sozialer Gerechtigkeit und nachhaltigem Wirtschaften verpflichtet fühlt, findet nicht nur hier ihren Ausdruck. Sie zeigt sich überall da, wo die Kritik von Attac ansetzt.
Das System der entfesselten Martwirtschaft zerstört auch zunehmend die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland, die 70% der Arbeitsplätze stellen, während die Konzerne tendenziell Arbeitsplätze wegrationalisieren. Mittelständische Unternehmen, von denen aber 30% im letzten Jahr keine Gewinne gemacht haben und ebensoviele ihr Eigenkapital verloren haben – und vermutlich dieses Jahr in Konkurs gehen -, und die von der größten Pleitewelle der Nachkriegszeit heimgesucht werden. Diese Unternehmen sind es aber, die im Wesentlichen zur lokalen Stabilisierung der Bürgergesellschaft und zum inneren Frieden beitragen. Im Gegensatz zu den Konzernen konnten sie keine Gewinne an den Kapitalmärkten machen, sich auch nicht dort finanzieren, und sie mußten brav ihre Steuern in der Heimat zahlen und sich dennoch der zunehmenden Konkurrenz der privilegierten Konzerne stellen.
Das System zerstört auch die kulturelle Vielfalt, die bisher Grundlage unserer Zivilisation war, und überläßt sie einer mächtigen Kulturindustrie. Diese bestimmt immer stärker zusammen mit manipulativer Werbung und der Propaganda der Markenkonzerne Wertorientierung und gesellschaftliche Leitbilder.
Die neoliberale Globalisierung hat versagt.
Privates Kapital (in der Regel anonymes Kapital institutioneller Anleger, das am Kurzfristprofit orientiert ist) investierte in die Ausbeutung der Bodenschätze und Wälder und in die rigorose Ausfischung der Fischgründe, dann in die billige menschliche Arbeitskraft bis hin zur Kinderarbeit, dann in die Industrialisierung der Landwirtschaft, womit eine Abhängigkeit vom Agrarbusiness (insbesondere von Hybridsaatgut) induziert wurde und eine gigantische Energievergeudung zur Freude der Energiekonzerne eingeleitet wurde. Gleichzeitig wurde eine Landflucht ausgelöst und mit dieser wiederum die Bildung von Megastädten mit einem ungeheuren Verelendungspotential mit allen bekannten Phänomenen der Kriminalität bis hin zu der für reiche Erstweltler organisierten Kinderprostitution. Der transnationale Handel mit Frauen (Prostitution) und zunehmend sogar mit Kindern wurde zu einem bedeutenden globalen Wirtschaftszweig.
An dieser Stelle beantwortet sich die vitale Frage, was die Hauptursache der gigantischen Migrationsbewegungen ist, und auf was sich der zunehmende Hass der Verlierer dieser Art von Globalisierung begründet. Langsam, leider nur sehr langsam, dämmert es auch den großen „Machern“ der Globalisierung, daß die Massenflucht aus den immer mehr verarmenden Ländern der 3. Welt nicht durch Mauern um die Wohlstandsinseln gestoppt werden kann, sondern durch eine weitsichtige, dh. vernünftige und verantwortungsbewußte Entwicklungspolitik, die eben nicht allein von den kurzfristigen Wirtschaftsinteressen der Konzerne angetrieben wird.
Immer deutlicher zeichnet sich ab, daß die zunehmende Spaltung der Welt in Wohlstandsinseln und Armutsgebiete die Ausbreitung des Terrorismus fördert. Dies provoziert derzeit eine globale militärische Interventionspolitik der USA, in deren Sog auch Japan und die EU-Länder gezogen werden. Dabei ist nicht mehr deutlich zu unterscheiden, ob die Interventionen zur Terrorismusabwehr oder aus geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen erfolgen.
Die Wut der Verlierer wird verstärkt durch die neueste Variante der Globalisierung, mit der sich multinationale Pharmakonzerne mit Hilfe der WTO und anderer internationaler Institutionen die genetischen Naturschätze und natürliche Heilmittel sonst armer Länder aneignen, indem sie ein neues Patentrecht durchzusetzen versuchen. Dazu kommt die Ausbeutung solcher Länder als Experimentier- und Einführungsgebiete für genmanipulierte Massennahrungsmittel mit denen vorgeblich nun endlich der Hunger in den ärmsten Ländern beseitigt werden soll, in Wirklichkeit aber neue lukrative Märkte der ersten Welt geöffnet werden sollen. Arbeitsplätze entstehen dabei praktisch keine – nicht in den armen Ländern und nicht in den europäischen Ländern; in letzteren werden in großem Maßstab weitere landwirtschaftliche Arbeitsplätze und wertvolle bäuerliche Strukturen und Umwelt zerstört werden, wie das amerikanische und auch unser Vorläufermodell zeigt.
Die Maßnahmen der Weltbank, des IWF und der unwillig gewährten Entwicklungshilfe sind der neoliberalen Doktrin unterworfen und verstärken die oben beschriebenen Trends. Dazu kommt das Ziel, die Entwicklungsländer als Märkte für die Waren der transnationalen Konzerne zu „entwickeln“. Die Resultate sehen wir! Gewinner sind Großbanken, Investmentfonds, transnationale Konzerne und große private Kapitalbesitzer - und nicht zuletzt das organisierte Verbrechen.
Von größter Zerstörungskraft für die ärmsten Länder ist ihre Überschuldung, die Teil des Systems ist und keinesfalls nur – wenn überhaupt - von den betroffenen Ländern zu verantworten ist. Es ist längst offensichtlich, daß mit dieser globalen Schuldenpolitik die armen Länder den Interessen der transnationalen Konzerne gefügig gemacht werden sollen. Die beschämenden Resultate sehen wir!
Aber damit soll es nicht genug sein!
Jetzt sollen durch das GATS (General Agreement on Trade in Services) möglichst alle öffentlichen Dienstleistungen privatisiert werden. Die Renten, das Gesundheitswesen, das Schulwesen, das Kulturleben und die öffentlichen Medien.
Internationale Konzerne – zu denen natürlich auch deutsche gehören! - treiben diese Entwicklung voran und offensichtlich hilflose oder willfährige Regierungen lassen die Dinge geschehen. Ein Blick auf Länder, die uns in dieser Entwicklung vorauslaufen, kann uns Schaudern machen. Als Beispiele mögen gelten: Chile für das ruinierte Rentensystem (aktuell verlieren auch amerikanische Rentner einen Teil ihrer Renten!), die USA und England für die katastrophale öffentliche Gesundheitsfürsorge und das heruntergekommene öffentliche Schulwesen, Italien als Beispiel für eine Telekratie, in der das demokratische Grundprinzip der Pressefreiheit ausgehebelt worden ist und Bolivien für eine ruinierte Wasserwirtschaft.
Attac wendet sich gegen diese Entwicklung!
Wir stellen fest, daß es keine geschlossene Theorie des neoliberalen Wirtschaftens gibt.
Es kann vermutet werden, daß damit die Unfähigkeit zur Prognose der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung begründet werden kann, ebenso wie die Unfähigkeit, bereits eingetretene Krisen zu bewältigen. Stattdessen hat sich eine fundamentalistische Ideologie entwickelt, die keine kritische Analyse mehr zuläßt, da auch die Massenmedien den Neoliberalismus als der Weisheit letzten Schluß darstellen.. Das System kann nicht durch die ständig wiederholten Trivialrezepte weiterer Beschleunigung, Deregulierung, Flexibilisierung der Arbeit, Privatisierung und Druck auf den Billiglohnsektor repariert oder effizienter gemacht werden. Die Erfahrung zeigt hingegen in beängstigender Weise, daß das System mehr Arbeitsplätze zerstört als es neu schaffen kann!
Es kann dem Neoliberalismus offensichtlich keine vorausschauende Vernunft und keine wirksame Verantwortung beigebracht werden – er kann anscheinend nicht ausreichend zivilisiert werden!
Eine kritische Analyse des derzeitigen Wirtschaftssystems und die unverzügliche Suche nach Wegen zur Schadensminimierung ist deshalb dringend geboten! Nicht zuletzt deshalb ist die Freiheit der Hochschulen vom Kapitaleinfluß wiederherzustellen. Derzeit ist das Gegenteil der Fall, in dem die private Wirtschaft zunehmenden und unmittelbaren Einfluß auf Forschung und Lehre nimmt. Dies verstärkt den fundamentalistischen Charakter des Systems.
Für alle diese bereits erkannten schweren Mängel des Systems müssen unverzüglich Alternativen zur Schadensminimierung entwickelt werden.
Dazu fordern wir:
Die Einführung einer Besteuerung aller Finanztransaktionen (der sog. Tobin-Tax) und die Entwicklung anderer Maßnahmen zur Beseitigung des Kasinokapitalismus und der Finanzierungsmechanismen des organisierten Verbrechens und des internationalen Terrorismus.
Höhere Besteuerung von Kapitaleinkünften und großen Vermögen mit dem Ziel, den Kapitalkonzentrationen entgegenzuwirken.
Wirksame internationale Regelungen für die multinationalen Konzerne und anderer Kapital- und Machtkonzentrationen (Kartelle, Organisationen). Herstellung einer weltweiten Transparenz von Unternehmensverflechtungen, die immer häufiger keinen anderen Sinn haben, als kriminelle Machenschaften zu verschleiern.
Die Abschaffung aller Steueroasen und eine weltweite Steuerharmonie, statt einer globalisierten Steuerkonkurrenz, wie sie die amerikanische Regierung derzeit erzwingen will - mit der offensichtlich gewollten Folge der finanziellen Austrocknung und Schwächung der Regierungen der konkurrierenden Staaten.
Die Ächtung und Abschaffung der Spekulation mit Hedge-Fonds.
Zur Erläuterung: Die aktuellen „modernen“ Steuersenkungen sollen die Investitionstätigkeit der Unternehmen und die Konsumlust der Verbraucher und so das gesamte Wirtschaften anregen. Mit kleiner Verspätung soll dann aus dem größeren Volumen der angeregten Wirtschaft wieder üppige Steuer hereinkommen. Nur liegt es sehr nahe, daß die Unternehmer das Steuergeschenk beim Kapitalmarkt anlegen – derzeit werden ca. 80% der freien Mittel dort angelegt! – oder in Rationalisierungsinvestitionen , die wiederum Arbeit vernichten, und daß die Verbraucher in ihrer berechtigten Angst vor der Zukunft sparen oder ihr zusätzliches Geld in ausländischen Feriengebieten ausgeben.- Und dann ist’s halt schlecht ausgegangen für die öffentlichen Kassen, also für das Gemeinwohl, und die schon jetzt „nach Pisa“ beklagte Unterfinanzierung des öffentlichen Bildungswesens wird sich verstärken und mit ihr der Druck zur Privatisierung.
Die Behinderung oder Verhinderung der Suche nach alternativen Wirtschaftmodellen muß beseitigt werden, und es muß ermöglicht werden, daß an unseren Universitäten und Hochschulen in freier Forschung und Lehre wieder konkurrierende Formen des Wirtschaftens entwickelt und erprobt werden. (Konkurrenz ist ja vorgeblich auch ein Grundpfeiler des neoliberalen Systems!) Die Europäischen Universitäten müssen vom Kapitaleinfluß befreit werden, und die „freie“ Lehre muß wieder hergestellt werden.
Die Zurücknahme der Riester-Rente und der Verzicht auf den Versuch, wesentliche Bestandteile von bisher öffentlich gesicherten Renten von Kapitalmärkten abhängig zu machen.
Der Vollzug des GATS muß ausgesetzt werden, und eine öffentliche Diskussion über die möglichen Folgen der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen – insbesondere des Gesundheitswesens – muss geführt werden.
Die beschriebene neoliberale Globalisierung darf nicht länger in dieser Form vorangetrieben werden. Stattdessen muß eine Denkpause eingelegt werden, und die bisher eingetretenen positiven und negativen Entwicklungen und die sich real abzeichnenden Chancen müssen in der Öffentlichkeit aller betroffenen Länder diskutiert und bewußt gemacht werden.
Unverzüglich müssen die bisher massiv verhinderten internationalen Vereinbarungen über Standards der Arbeit, der Umwelt und der Menschenrechte vorangetrieben werden, und den Entwicklungsländern muss glaubhaft gemacht werden, daß diese Forderungen nicht zu dem weitgefächerten Repertoire gehören, mit denen sie bisher von der instrumentalsierten Intelligenz des Kapitals ausgetrickst worden sind.
Die beschriebene Zerstörung der landwirtschaftlichen Strukturen der armen Entwicklungsländer durch die Agrokonzerne muß verhindert werden. Stattdessen sollte eine moderne, arbeitsintensive und energiesparende biologische Landwirtschaftsstruktur gefördert werden. Die Verbreitung des Anbaus genveränderter Pflanzen in den Entwicklungsländern muß so lange verhindert werden, bis die biologischen und wirtschaftlichen Folgen eindeutig geklärt sind.
Ein unverzüglicher vollständiger oder teilweiser Schuldenerlaß und eine konstruktive Finanzierungspolitik für die armen Länder müssen eingeleitet und alsbald vollzogen werden. Diese neue Politik darf nicht der neoliberalen Doktrin unterworfen werden, sondern sie muß unter der Prämisse „Nachhaltige Vernunft und Verantwortung“ stehen, um die beschriebenen katastrophalen Folgen – auch für die reichen Länder! -künftig zu verhindern oder einzudämmen.
Abschließend kann festgestellt werden, daß alle staatstragenden Parteien eigentümlicherweise immer wieder von Begriffen wie Dritter Weg (zwischen Planwirtschaft und Neoliberalismus?) oder von neuer-oder moderner „sozialer“ Marktwirtschaft sprechen. Da scheint sich eine Sehnsucht nach einer „anderen Welt“ anzudeuten, die aber wegen der selbstverursachten Sachzwänge unerreichbar scheint und deshalb ernsthaft nicht aufgegriffen wird und sich immer wieder als frommer Wunsch oder leere Propaganda erweist.
Attac wird gelegentlich vorgeworfen, daß sie Kritik übt, aber keine Lösungsmodelle anbieten kann. Hier zeigt sich eine seltsame Vorstellung über die Aufgabe einer Bürgerbewegung in einer demokratisch begründeten Zivilgesellschaft. Jedermann/ jede Frau ist nicht nur berechtigt, Kritik an objektiv feststellbaren Mißständen und Fehlentwicklungen zu üben, sondern sogar dazu verpflichtet, wenn die Kritik nachvollziehbar rational begründet ist und es darum geht, Schaden von Individuen und der Gesellschaft als Ganzer abzuwenden. Attac erfüllt dieses Kriterium und formuliert darüber hinaus konkrete Forderungen, die der Schadensabwendung oder Schadensminderung dienen sollen.
Attac kritisiert unerträgliche Fehlentwicklungen und zunehmende Risiken der entfesselten „neoliberalen“ Marktwirtschaft und steht nicht für Planwirtschaft oder staatlichen Dirigismus.
Attac kritisiert die „neoliberale“ Globalisierung und steht für die Eine-Welt-Politik. Attac steht nicht für Protektionismus oder Nationalismus.
Attac ist sich sicher: „*Eine andere Welt ist möglich*!“
Attac Karlsruhe
1) Die Zitate sind aus einem Manuskript des Bayerischen Rundfunks entnommen, das dort unter folgender Adresse angefordert werden kann:
Bayerischer Rundfunk,
Manuskriptdienst
Rundfunkplatz 1,
803000 München oder Tel. 089-5900 2690 (Frau Grimm)
Titel: „Was kommt nach der Ära des goldenen Kapitalismus (1)Die Grausamkeit der Märkte“ am 18.09.01 von Peter Hölzle
Albrecht Kappis
Attac-Karlsruhe
26.08.2002
Attac 2 11
25.11.03 Tomas Martin
Attac-Schwerpunkte 2004
Soziale Agenda
(entspricht der AG "Genug für Alle")
Nach dem Erfolg der Demo in Berlin (1.11.03) vom Rat neu bestätigt.
14. 12. 03 Aktionskonferenz in Ffm.
Nach dem ESF (Paris) ist ein Brief an alle Gruppen gegangen.
Lokale Aktionen verstärken und der AG melden (pedram @ attac.de)!
Angedacht sind: ein internat. Aktionstag, eine Speakers-Tour, Regionaltagungen, vielfältiges Material, ...
Treffen zur Auswertung des ESF: 30.11.03 in Ffm.
Debattenseite auf der Homepage (Beiträge erbeten an soz-debatte @ attac.de)
Weltwirtschaft und Privatisierung (lokal und global)
(entspricht der AG "WTO")
- Auf Herausforderungen reagieren, die mit dem Scheitern der WTO in Cancun verbunden sind.
Handelspolitik der EU aufs Korn nehmen (Europawahl 2004)!
- An die GATS-Kampagne anschließend, "Privatisierung" thematisieren.
Auswirkungen neoliberaler Politik vor Ort den Bürgern klarmachen!
Reader des Wiss. Beirates für Frühjahr 2004.
Nächstes Treffen zur Kampagnenarbeit: 13.12.03 (dominik @ attac.de).
Projekt Alternative Weltwirtschaftsordnung (AWWO):
2. Entwurf (Dez. 03) zur Diskussion gestellt.
Querschnittsschwerpunkt "Europäische Union"
(entspricht der AG "EU")
Anlass: Kritik am Demokratiedefizit in der EU (siehe den Entwurf der Verfassung).
Gegen die neoliberale Umgestaltung und Militarisierung Europas!
Die AG "EU" sucht Zuammenarbeit, um durch Veranstaltungen und Kampagnen die Öffentlichkeit zu mobilisieren.
Open Space Congress am 8./9. Mai 2004 in Berlin geplant.
Die Attac-Sommerakademie 2002 in Marburg
Julia und ich fuhren zsammen mit
_ und _ im Auto nach Marburg.
Dort angekommen fuhren wir kurz an der Schule, dem Veranstaltungsort, vorbei und dann direkt weiter zu Sporthalle und Zeltplatz.
Der Zeltplatz erwies sich als die Wiese vor einer anderen Schul, direkt gegenüber der Sporthalle und wir hatten komfortablerweise eine Überdachung der Parkplätze.
Nachdem das Auto geparkt war bauten wir das Zelt auf und machten uns auf zur anderen Schule. Nach etwa 30 Minuten Fußmarsch durch die Stadt (Direkt durch einen Teil der Einkaufsmeile und vorbei an Mac Donalds, aber dazu später) kamen wir bei der Schule an. Da an der Aussenwand des Gebäudes vorbei kamen wir zum Innenhof der Schule, auf dem alle unsere Aktivitäten leider) vor den Blicken der Marburger verborgen waren. Als erstes Trugen wir uns Für die Vormittagsseminare ein (Julia Aktionsseminar, ich organizing for sozial change) und und wählten die als Aufgabe die Hilfe beim Essen am Abend aus.
Weitere Infos über Freitag abend
Samstag Morgen begann direkt das volle Programm. Von der Sonne geweckt (und netterweise von den Zeltnachbarn zum Frühstück eingeldaen) gingen wir zu der Schule um direkt mit den Vormittagsseminaren zu beginnen. Organizing for sozial Change Fans in der Philosophischen Fakultät der Universität statt, von der Schule aus nur fünf Minuten zu Fuß (Über die Brücke und unter der B3 durch).
Infos zum Aktionsseminar
Die Akademie war Tag für Tag von Morgens bis abends ausgefüllt.
Morgens ging es immer los mit den Seminaren, mittags gab es frei zu wählende Workshops und abends noch eine Podiumsdiskussion. Ein bisschen abschalten und über das gerade Gelernte diskutieren konnte man schließlich bei einer Party.
Mir persönlich hat vom Abendprogramm der letzte Abend am meisten gefallen, weil ich da die ganze Anspannung von vier Tagen intensivem Lernen abbauen konnte. Am Ende der keltischen Musik tanzten knapp 150 Attacies zusammen einen Kreistanz, in dem ich völlig aufgehen konnte und der riesigen Spass gemacht hat.
Im organizing-for-sozial-change-Seminar habe ich wirklich viel gelernt, vor allem vieles, dass ich so bald wie möglich weitergeben will.
Die Nachmittagsgruppen haben weitere Themen behandelt, und nur ein Nachmittag hat mir nicht gefallen, weil ich mich verwählt hatte, ansonsten waren alle klasse und sehr lehrreich.
Alles in allem kann man nach dieser Akademie sagen dass man genau richtig bei attac ist wenn man sich bilden und was verändern will.
Viele neue Kontakte wurden geknüpft und viele neue Ideen wurden geschaffen oder übernommen.Schade nur dass so wenige an dieser genialen Akademie teilgenommen haben....
Attac Sommerakademie 2004 in Dresden
Bericht von Arne Babenhauserheide
Zur diesjährigen Attac Sommerakademie bin ich alleine mit dem Zug angereist. Mit einigen Verspätungen hatte ich um 2:00 mein Zelt stehen und konnte am nächsten Morgen mit den Seminaren beginnen.
Bevor ich spezifischer werde, möchte ich ein paar Eindrücke schildern.
Die Sommerakademie war wieder wirklich schön, ich habe viele neue Leute kennengelernt und Bekannte von der letzten Akademie wieder gesehen. Mein Vormittagsseminar war sehr interessant, auch wenn ich heute bis Mittags geschlafen und es damit verpasst habe (Man sollte Nachts nicht bis 4:00 durch Dresden laufen

). Es ging um Softwarepatente und Biopatente.
Die Nachmittagsseminare waren auch sehr interessant und besonders hat mich das EI-Attac Seminar bewegt. Ich habe vor allem wieder ein gutes Stück mehr Lust auf politische Arbeit gewonnen.
Zur Struktur:
Die Akademie ging von Freitag Abend den 30.7.04 bis DOnnerstag morgen, den 5.8.04. Dienstag war ein freier Tag, an dem Vormittags statt nach mittags Workshops liefen, und an dem wir am vorigen Montag geplante Aktionen durchführen konnten.
Es gab Frühstück inbegriffen und veganisches, ungenügend gewürztes, na gut, mehr sag ich zu Mitag und Abendessen jetzt nicht. Es gab auch Leute, die das Essen wirklich gut fanden.
Die Akademie wird heute Abend (Mittwoch, 4.8.04) mit einer Liveband enden, die angeblich gute Tanzmusik macht. Mit etwas Glück spielt das Wetter mit.
Am Dienstag machten wir auch eine Adbusting Aktion und eine Demo vor der Vodafone Zentrale zu unserer Vordaklau Kampagne. Zwei als Handies verkleidete Aktivisten, die mit einem Geldkoffer (mit der Aufschrift 20.000.000.000 Euro) vor den Anderen durch die Straßen geflohen sind und mit Parolen wie "Das ist unser Geld!" und "Vodafone klaut 20.000.000.000 Euro) gejagt wurden.
Wir haben im Workshop freies Radio eine Sendung zur Akademie produziert, die bald unter
http://freie-radios.net im Netz zu finden sein wird. Direkt senden konnten wir sie wegen einem Senderdefekt leider nicht. Ich habe zum ersten Mal Leute interviewt, und es hat viel Spaß gemacht.
Abends gab es Podiumsdiskussionen und einmal Kabaret, aber ich habe ehrlich gesagt bisher nichts davon besucht.
Bis auf ein paar Organisatorische Probleme (am ersten Tag wurden viele Workshops und Seminare verschoben und einige mussten abgesagt werden) und nicht ganz optimales Essen, halte ich die Akademie für einen vollen Erfolg. Wir waren gut 500 Attacies, viele einfach spontan angereist, die Stimmung war gut, das Wetter zu warm und die Sonne zu oft zu sehen :).
Ein großes Lob den Orgas, die trotz ihres sehr kleinen Teams sehr viel auf die Beine gestellt haben. Sie haben es wirklich verdient (und ich hofe, sie bekommen es noch häufiger).
Aus Dresden, Arne Babenhauserheide.
>
Das hier ist ein grober Vorentwurf. Verändert ihn, wie ihr es für richtig haltet. Vielleicht können wir auch mehrere Versionen der einzelnen Passagen haben, die durch horizontale Linien getrennt werden. Dann können wir die verschiedenen Versionen zusammenfügen (als weiteren Vorschlag), und danach einfach per Mail oder per (Arne/bzw. Name)
oder (Name)
abstimmen Das verringert den Unwillen, den Text eines anderen zu löschen. unpassendes ändern sollten wir trotzdem ohne Scheu.
--
ArneBab - 09 Jan 2003
Erstmal die Struktur
- Kurzbeschreibung
- Möglichkeiten
- Anwendung
- Kurzanleitung
- Anhang
- Was ist TWiki? Hintergrundinfos
Vorstellung der neuen TWiki Webseite.
Hallo an alle.
Unsere Webseite wird von nun an von allen Mitgliedern von Attac-Karlsruhe editierbar sein. Dadurch könnt ihr gemeinsame Projekte planen, Texte zusammen Entwerfen, Diskutieren, und noch ein paar Dinge mehr. Wir hoffen, dass es rege genutzt wird.
Es gibt für jede Themengruppe unter
GruppenZumMitmachen eine eigene Seite, die ihr selbst entwerfen könnt.
Unter Diskussion können wir alle möglichen Diskusionen führen (natürlich auch über die Seite selbst), die allerdings vollständig der Öffentlichkeit zugänglich sind.
Die
StartSeite,
AttacAktuellLokal,
AttacAktuellBundesweit und
TexteUndInfos können nur von den Infobeuaftragten der Gruppen und von Webmoderatoren bearbeitet werden. Die
StartSeite dagegen soll auf einen Blick die wichtigsten Infos und Termine liefern.
Vortrag von Sabine Leidig am Mittwoch, 13.08.03 in der „Walhalla“ zum Thema:
attac und die Agenda 2010
Protokoll von Gudrun Reiss
Sabine hat in ihrem Vortrag in drei Themenbereiche gegliedert:
- sie hat aufgrund von statistischen Daten und Entwicklungskurven der landläufig verbreiteten These widersprochen, dass der Sozialstaat am Ende sei, dass er die ausufernden Kosten nicht mehr tragen könne und dass er daher „reformiert“ werden müsse.
- sie hat die Widersprüche zwischen Tatbeständen und veröffentlichter bzw. öffentlicher Meinung aufgewiesen
- sie hat über die Aufgaben für attac gesprochen.
I. Entwicklung der Sachverhalte
Ein Vergleich der realen Nettolöhne und der realen Nettogewinne zwischen 1960 und 2000 ergibt folgendes:
Beide Kurven entwickelten sich zwischen 1960 und Mitte der 90er Jahre etwa parallel ansteigend.
Von da an knicken die realen Nettolöhne nach unten weg.
Von da an knicken die realen Gewinne nach oben
Wichtig dabei ist, dass diese Auseinanderentwicklung nicht durch einen Knick im Wachstum des BIP erklärt werden kann.
Anteil der Sozialleistungsquote: (Quote ist Anteil am der staatlichen Sozialausgaben am BIP)
Historisches: Zwischen 1960 (Adenauer) bis Mitte 70er Jahre(Brandt, Schmidt) ist der Anteil kontinuierlich gestiegen und hat sich Mitte der 70er Jahre auf 33% eingepegelt. Dieser Tatbestand war aber positiv besetzt (Sabine zitiert einen Ausspruch Adenauers vor dem Bundestag, wo er die Höhe der Sozialausgaben verteidigt als notwendig im Kampf gegen den Kommunismus)
Heute liegt der Anteil immer noch bei 33%, obwohl allein der Posten der Arbeitslosenversicherung aufgrund des Anstiegs der Arbeitslosen um ein Vielfaches gewachsen ist.
Veränderung der Altersstruktur
Die erfreuliche Tatsache, dass Menschen älter werden, hat dazu geführt, dass der Anteil der Bevölkerung größer geworden ist, der nicht produktiv ist. Da gleichzeitig die gesamte Produktivität und der Reichtum der unserer Gesellschaft enorm gestiegen ist (in den vergangenen 10 Jahren um etwa 500 Milliarden €), besteht das Problem nicht darin, dass die Alten nicht gut mitversorgt werden könnten.
Schlussfolgerung:
Das Problem ist eine
Frage der Verteilung, nicht eine Frage der zur Verfügung stehenden Mittel.
Dieses Problem wird aber nicht als solches wahrgenommen, dafür sorgt die Veränderung der öffentlichen Meinung nach der sog. „geistig-moralischen Wende seit 1982, dem Antritt der Kohlregierung. Der Wertvorstellungen, die bis dahin den gesellschaftlichen Konsens bestimmt hatten: bestanden in der Grundtendenz, dass das Fernziel einer sozialen Gerechtigkeit durch Umverteilung angestrebt werden müsse, und dass dieses Ziel gut sei. Dies wurden ersetzt durch ein neues Menschenbild, das des Homo ökonomikus, wonach die Qualität jeglichen Handelns nur an ihrem wirtschaftlichen Output zu messen sei. Es wurde mit den bekannten Klischees wie „Leistung muss sich wieder lohnen“ oder „das Anspruchsdenken derer, die nichts schaffen“ usw. ins Bewußtsein aller Menschen gehoben und hat sich dort mittlerweile als unumstößliche Wahrheit festgesetzt. Es sind eben die neuen Werte des Neoliberalismus, die inzwischen als selbstverständlich und unanfechtbar gelten. Dieses neue Bewusstsein legitimiert nun grundsätzlich
„die Reform (= Abbau des Sozialstaates, damit die Wirtschaft wieder in Gang Kommt“ (vgl. dazu auch die von SPD-Generalsekretär Olaf Scholz eingeleitete programmatische Eliminierung des „demokratischen Sozialismus“ aus der SPD-Programmdebatte (d.Prot.).
Mit dieser Diskreditierung des Sozialen geht einher der Konsens über die Steuersenkungen(Steuernachlässe, von denen in erster Linie die Besserverdienenden profitiern, werden vom Konsens in der Bevölkerung für richtig erklärt.)
Subventionsabbau wird für notwendig und richtig erklärt (trifft in erster Linie die Geringverdienenden, z.B Pendlerpauschalen, wo gleichzeitig „Flexibilisierung“ verlangt, das man seinen Arbeitsplatz selbstverständlich den vorhandenen Arbeitsplätzen und nicht den eigenen Bedürfnissen unterordnen muss)
Aufgrund eines Bewusstseinswandels der Öffentlichkeit werden die Maßnahmen, die unter dem Begriff Agenda 2010 zusammengefasst sind, genau von der Öffentlichkeit als richtig empfunden, der sie eigentlich schadet.
Dabei lässt sich die Agenda 2010 in eine Entwicklung einordnen, die schon länger anhält, die weltweit sich erkennen lässt und deren Ende nicht abzusehen ist.
Zentrale Ziele sind:
Senkung der Lohnkosten (Infragestellung der Tarifautonomie)
>
Eingriffe in Arbeitslosengeld / Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe werden zusammengelegt /
Zwang, jede Arbeit zu übernehmen / Angedacht bereits Sachleistungen (das Asylbewerberleistungsgesetz lässt grüßen)
Privatisierung und Kommerzialisierung von sozialer Sicherung > „Kompromiss“ in der Gesundheitsreform geht zu Lasten der Patienten und Kranken / Privatisierung von Altenpflege
Steuersenkungen (die vor allen den Vermögenden und Gutverdienenden nützen) / der staat macht sich (die Kommunen, die Länder usw. arm)
>
gezielter Druck zur Privatisierung öffentlicher Güter / Einrichtungen („Cross Border Leasing“ / Landeskrankenhäuser verkaufen …)
II. Widersprüchlichkeiten
Insgesamt lässt sich ein Auseinanderklaffen der tatsächlichen Entwicklungen und der medial verbreiteten Beurteilung dieser Entwicklungen konstatieren. Trotz der allbekannten Inhalte hat es keinen Aufschrei gegenüber der Agenda 2010 gegeben, die Gewerkschaften konnten gerade mal 90 000 Protestierer mobilisieren.
Offenbar hat die Realität der neoliberalen Politik der vergangenen 20 Jahre auch die Köpfe der Menschen verändert. Um so wichtiger ist es, nicht nur mit moralischen Appellen und Argumenten gegen den „Zeitgeist“ anzugehen, sondern auch alternative praktische Erfahrungen zu ermöglichen (Versammlungen, Diskussionen, Aktionen, solidarische Zusammenarbeit ….).
Die Widersprüchlichkeit liegt auch darin, dass die bestehenden sozialen Sicherungssysteme durchaus zu kritisieren wären, aber vom anderen Ende her: Frauen, Flüchtlinge, Migranten sind die Gruppen, die bisher schon vom System benachteiligt waren.
Differenzierte Lebensentwürfe und (selbstgewählte oder erzwungene) Flexibilität sind schlecht abgesichert…. Anstatt hiergegen anzukämpfen, muss man für das bestehende System kämpfen, um es nicht völlig zerstören zu lassen. Dabei steht es um die Protestkultur in Deutschland besonders schlecht. In manchen anderen EU-Ländern regt sich heftigerer Widerstand gegen diese länderübergreifenden Entwicklungen.
III. Welche Rolle hat nun attac?
Sabine meint, dass der Auftrag von attac sein muss, sich mit den Wurzeln der Entwicklung auseinanderzusetzen und diese freizulegen (radikale Kritik). Es gilt, die Gesetze des Neoliberalismus zu analysieren und zu erkennen, dass die Entwicklungen weltweit dieselben Ursachen haben. Wir haben es mit einer radikalen Infragestellung der öffentlichen Verteilungsmechanismen zu tun. Die gefährliche Entwicklung, dem öffentlichen Bereich die Verantwortung zu entziehen, stellt zugleich die Demokratiefrage. Die Senkung der Staatsquote ist ein neoliberales Ziel. Die Forderung des IWF nach Strukturanpassungsmaßnahmen, die als Bedingung für die Gewährung von Krediten fordern, die Ausgaben der öffentlichen Hand, wie z.B. die Subventionen für Grundnahrungsmittel, zu drosseln (und die dann sog. IWF-Aufstände zur Folge haben), folgen demselben Plan wie das Herunterfahren des Sozialstaates mit der Begründung, der Staat könne sich das nicht mehr leisten. (Lektüreempfehlung hierzu die erste Seite von FREITAG 34 vom 15.8.03)
Andererseits müsse man die große Pleitewelle (in der Diskussion angefragt) als die logische Folge der immensen Konzentrationsbewegung erkennen, die ausschließlich zugunsten des Wachstums der immer mächtiger werdenden Transnationalen Konzerne geschähe.
Auch die Wachstumsfrage müsse diskutiert werden > was wächst, was schrumpft, wer gewinnt, wer verliert.....
Attac muss den gesellschaftlichen Diskurs organisieren. Attac muss diese Auseinandersetzung als Debatte um das Menschenbild führen, gemäß unserer Parole: „die Welt ist keine Ware“ > „der Mensch ist keine Ware“
Auf die Frage nach dem Weg, den attac vorgibt, antwortet Sabine mit der Parole der Zapatisten: „Suchend schreiten wir voran!“
Bezogen auf die konkreten Vorgehen von Attac folgendes:
In Münster (auf der Sommer-Akademie) gab es einen Nachmittag lang Diskussion über das Vorgehen. Dabei war folgendes zu erkennen:
Einerseits gibt es bereits etliche Städte und attac-Gruppen, die sich einen Aktionsplan gegeben haben und die sich zumindest thematisch mit der Frage der Agenda 2010 beschäftigen (Karlsruhe leider noch nicht).
Spannend ist in dem Zusammenhang die Entwicklung von lokalen Sozialforen und Bündnissen.
Andererseits konnte zu der Option einer großen bundesweiten attac-Demonstration keine einhellige Meinung gefunden werden. Zu befürchten ist, dass nicht genügend Demonstranten aktiviert werden können, was dann eher kontraproduktiv wäre. Alle Demonstrationen werden gemessen werden an der Größe der Antikriegsdemonstrationen vom 15.2.03.
Stattdessen, bzw. als Vorbereitung sollen dezentrale Aktionstage im Herbst mit außgewöhnlichen Aktivitäten öffentliche Aufmerksamkeit erzielen und mobilisierend wirken:
Wenn 25 Gruppen dazu bereit sind, sollen an einem vereinbarten Tag „nachdrückliche Besuche“ in SPD-Büros stattfinden / denkbar sind öffentliche Wiederaneignungen der von uns geschaffenen gesellschaftlichen Güter (gemeinsam umsonst Straßenbahnfahren / Theaterbesuchen / Schwimmbaden …)
-mehr Infos:
http://www.attac.de/soziale-zukunft-jetzt/
--
ArneBab - 02 Sep 2003
Positionen zu den Vorschlägen der Hartz- Kommission
| Datum |
Autor |
Originaldatei zum Herunterladen |
| 31.7.2002 |
Sabine Leidig |
333 Kbyte |
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Positionen zu den Vorschlägen der Hartz- Kommission
(Stand: 31.7.02 / zusammengestellt von Sabine Leidig für Attac
Karlsruhe)
Gesamtbewertung:
Erklärtes Ziel des „Hartz-Papieres“ ist die Reform der Arbeitsverwaltung
und der Abbau der Arbeitslosigkeit. So wird versprochen, bei „konsequenter
Umsetzung“ der vorgeschlagenen Module könne bis zum Jahre 2005 die
Arbeitslosigkeit in Deutschland halbiert werden. Dazu seien Einschnitte
und grundlegende Umstrukturierungen nötig. Wer wollte gegen dieses
ehrgeizige Ziel etwas haben?
In den Vorschlägen der Kommission findet sich auch einige positive
Vorschläge, zu denen gehören :
-
Fortführung der Reform der Arbeitsverwaltung für besseren „Kundenservice“
-
rechtzeitige Hilfen (schon vor Eintritt der Arbeitslosigkeit)
-
neue organisatorische Strukturen (z.B. neue Rolle der LAA)
-
Erstellung von Arbeitsplatzbilanzen u.ä. durch die Betriebe
Der gewerkschaftlichen Vertretung in der Kommission ist es auch gelungen,
Verbesserungen im Vergleich zum ersten Entwurf durchzusetzen ( z.B. keine
Pauschalierung des Arbeitslosengeldes, keine zeitliche Begrenzung des Arbeitslosengeldes...).
Aber: Die Grundausrichtung der meisten Vorschläge gibt Anlass
zum Widerspruch !
Grundproblem der Vorschläge der Kommission ist der Ansatz, Arbeitslosigkeit
vorrangig als Problem der Arbeitslosen und zu hoher Arbeitskosten anzusehen
und nicht als Ergebnis einer gesamtwirtschaftlichen Fehlentwicklung:
-
Arbeitslose werden durch verschärfte Zumutbarkeitsanforderungen und
Leistungskürzungen unter Druck gesetzt, Arbeit in Niedriglohnbereichen
und nicht sozial abgesicherten Beschäftigungsverhältnissen aufzunehmen.
Zum Teil wird Arbeitslosig-keit auch nur statistisch „wegdefiniert“.
-
Durch die Deregulierung des Arbeitsmarktes wird ein verschärfter Verdrängungswettbewerb
ausgelöst, der nicht etwa zusätzliche Arbeitsplätze schafft,
sondern der gute und teuere Arbeit durch schlechte und billige Arbeit ersetzt.
Zugleich ergeben sich weitreichende negative Konsequenzen für die
Arbeitslosen, für das System der sozialen Sicherung sowie für
die arbeits- und sozialrechtliche Absicherung und die Interessenvertretung
der Beschäftigten insgesamt.
-
Die verschärfte Marginalisierung der Frauenerwerbstätigkeit ist
dabei nur eine negative Begleiterscheinung.
-
Während an die Arbeitslosen enorme Anforderungen gestellt werden,
können sich die Arbeitgeber aus ihrer Verantwortung stehlen und sich
darüber hinaus über eine Vielzahl von Entlastungen und Zuwendungen
freuen, weit über die Aushöhlung der paritätischen Finanzierung
hinaus.
Aus ökonomischer und beschäftigungspolitischer Sicht spricht
nichts dafür, dass die Arbeitslosigkeit mit den vorgeschlagenen Instrumenten
abgebaut werden könnte. In Zeiten einer krisenhaften wirtschaftlichen
Entwicklung in der Bundesrepublik und auf den Weltmärkten und unter
den Rahmenbedingungen einer Finanzpolitik, die den wegbrechenden Steuereinnahmen
durch Ausgabenkürzungen „hinterherspart“, lässt sich Arbeitslosigkeit
nicht durch eine Deregulierung des Arbeitsmarktes wegzaubern. Was fehlt,
sind Arbeitsplätze – und diese werden derzeit in der Privatwirtschaft
und im öffentlichen Dienst in Besorgnis erregender Geschwindigkeit
abgebaut!
Aber nicht nur das hochgesteckte Ziel wird scheitern; zugleich werden
mit den vorgeschlagenen Maßnahmen und Veränderungen zentrale
Elemente des Sozialstaates, für die die Gewerkschaften aus guten Gründen
über Jahre hinweg gefochten haben, aufgegeben. Mit haltlosen Versprechungen
werden unter dem Druck des Wahlkampfes in Windeseile Veränderungen
angestoßen, die von neoliberaler Seite uneingeschränkten Zuspruch
finden und von denen wir fürchten, dass sie nicht mehr umkehrbar sind.
Zu einzelnen Vorhaben:
1) Mehr Beschäftigung durch Leistungskürzungen ?
Arbeitslosengeld (ALG I) und Arbeitslosenhilfe (ALG II) sollen zusammengelegt
werden. Das ALG II (steuerfinanziert) wird unbegrenzt gezahlt, allerdings
nur bei Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt. Die Verfügbarkeit
wird verschärft geprüft, bei Nicht-Verfügbarkeit wird nur
noch Sozialgeld gezahlt.
Gegenüber den bisher vorliegenden Papieren konnte zwar einiges
abgemildert werden. Das tatsächliche Ausmaß der Leistungskürzungen
lässt sich aber noch nicht quantifizieren, da über die Höhe
von ALG I und II noch keine Informationen vorliegen. Aufgrund der verschärften
Zumutbarkeitsregelungen wird es allerdings zu erheblichen Einschnitten
kommen. Das ALG kann nicht nur aufgrund der Ablehnung einer „zumutbaren“
Stelle, sondern auch bei Kündigung aus persönlichen Gründen
im Leiharbeitsverhältnisgekürzt oder in Sozialgeld umgewandelt
werden. Dabei soll der Vermittler/Berater flexiblere Möglichkeiten
erhalten, um solche Kürzungen vorzunehmen. Das bedeutet, dass die
Arbeitslosen in eine erhebliche Abhängigkeit von der zuständigen
Vermittlungsperson im „jobcenter“ - die selbst wiederum unter finanziellem
Erfolgsdruck steht – kommen.
Für Hunderttausende von Arbeitslosen, die nicht Kürzungen,
sondern Förderung bräuchten, bedeutet das in der Konsequenz eine
noch steilere finanzielle (und soziale ) Rutsche, Abhängigkeitsverhältnisse
in Familien werden verstärkt, Kommunen zusätzlich belastet.
2) Bekämpfung der Schwarzarbeit durch Schaffung von Ich-AGen
?
Mit unterschiedlichen Instrumenten soll versucht werden, Menschen in
Arbeit zu halten oder zu bringen und gleichzeitig die Schwarzarbeit zurückzudrängen.
Das Anliegen wird von uns geteilt, die gewählten Instrumente allerdings
sind kontraproduktiv und tragen zur weiteren Erosion des Normalarbeitsverhältnisses
bei. Die Ergebnisse einer solchen Politik lassen sich in den USA beobachten,
wo Millionen von Beschäftigten drei verschiedene Arbeitsstellen brauchen,
um ihre Existenz einigermaßen absichern zu können.
Die sogenannte Ich-AG ist als „Vorstufe“ zur Gründung eines vollwertigen
Gewerbebetriebes gedacht. Die Einnahmen sollen auf 25.000 Euro begrenzt
sein, es erfolgt eine Pauschal-versteuerung von 10%. Damit sollen Schwarzarbeiter
in eine legale Beschäftigung geholt werden.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass „Ich-AGen“ und „Familien-AGen“ ein
probates Mittel sind, neue Beschäftigung auf- und Schwarzarbeit abzubauen.
Wir befürchten vielmehr, dass bisher steuerpflichtige, reguläre
Beschäftigungsverhältnisse in diese neuen Rechtsformen umgewandelt
werden, um damit weniger Steuern zu zahlen, oder „billiger“ entlohnen zu
können und die Interessenvertretung zu umgehen. Bis zu einem Verhältnis
von maximal 1:1 sollen in den Betrieben Ich-AGen eingesetzt werden können.
Wir befürchten, dass damit in mehrfacher Hinsicht Druck auf reguläre
Beschäftigung und auf die Tarifverträge ausgeübt wird!
Schwarzarbeit offensiv bekämpfen !
Die Eindämmung der Schwarzarbeit ist ein begrüßenswertes
Ziel. Bei einem Volumen von (geschätzten) 330 Mrd. Euro, davon über
ein Drittel in der Bauwirtschaft, gibt es wahrlich viel zu tun.
Es sind in der Regel aber nicht die Arbeitslosen, die schwarz arbeiten,
sondern überwiegend Beschäftigte. Schwarzarbeit lohnt sich –
vor allem für die Arbeitgeber.
Vorteilhaft ist die Schwarzarbeit nicht für die z.T. zu Hungerlöhnen
arbeitenden illegal Beschäftigten oder die Schwarzarbeiter selbst,
sondern für die Unternehmer, die durch solche Beschäftigung Extraprofite
einstreichen. Sie müssen zur Verantwortung gezogen werden!
Fakt ist, dass durch Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung immer
mehr qualifizierte Arbeitsplätze vernichtet werden. Fakt ist, dass
durch Schwarzarbeit Milliarden an Steuern und Sozialabgaben verloren gehen.
Dies kann nicht hingenommen werden! Deshalb müssen die vorhandenen
Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten stärker und konsequenter
genutzt werden. Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminelle
Handlung. Das am 1.8.2002 in Kraft getretene Gesetz zur Erleichterung der
Bekämpfung von illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit muss
konsequent angewendet werden.
3) Mehr Beschäftigung durch Ausweitung der Mini-Jobs ?
Im neuesten Entwurf ist diese Regelung zwar beschränkt auf haushaltsnahe
Dienstleistungen und gilt nur für Arbeitslose. Dies ist sicherlich
ein erheblicher Fortschritt gegenüber den ursprünglichen Plänen.
Gleichzeitig wird aber darauf verwiesen, dass diese Einschränkung
nur für die Einführungsstufe gilt. Je nach Erfahrung kann eine
Ausweitung auf andere Tätigkeiten und Zielgruppen erfolgen. Damit
ist der Grundstein für die generelle Ausweitung gelegt, zumal diese
Einschränkung eine Vielzahl von Ungereimtheiten mit sich bringt, die
kaum zu lösen sein werden.
Jahrelang haben sich die Gewerkschaften mit vielen Bündnispartnern
aus Kirchen, Frauenverbänden u.a. für die Einbeziehung der geringfügig
Beschäftigten in die Systeme der sozialen Sicherung eingesetzt. Die
Argumente sind hinlänglich ausgetauscht worden: Eine Ausweitung dieser
Beschäftigung und eine Verschlechterung des Schutzes ist sozialpolitisch,
frauenpolitisch, arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitisch sowie gewerkschaftspolitisch
kontraproduktiv und muss auf jeden Fall verhindert werden.
Das Gleiche gilt für die Subventionierung der Sozialversicherungsbeiträge
für Niedrigeinkommen zwischen 500 und 1000 Euro. Mitnahmeeffekte und
Umwandlungen sind vorprogrammiert, ein Niedriglohnsektor (für Frauen)
wird etabliert. Auch hier sind die Argumente seit Jahren ausgetauscht und
die Kommission wäre besser beraten, dieses viele Geld in den Aufbau
neuer Beschäftigung zu stecken
4) Mehr Beschäftigung durch PSA ?
„Herzstück des Abbaus der Arbeitslosigkeit ist eine neue Form der
Zeitarbeitsgesellschaft, die PersonalServiceAgentur? (PSA). Jedes Arbeitsamt
wird zukünftig über eine eigene oder outgesourcte PSA verfügen.“
(O-Ton)
Damit bilden die out-gesourcten PSA Grundlage für die Privatisierung
großer Teile der Bundesanstalt für Arbeit.
In der ersten Hartz-Vorlage ist vorgesehen, dass Leistungsempfänger
nach 6 Monaten Arbeitslosigkeit ein Arbeitsverhältnis in der PSA annehmen
müssen und dieses auf maximal 12 Monate befristet ist – und dann ?
Die PSA werden gegenüber den Arbeitgebern angepriesen mit dem Versprechen,
dass damit der Kündigungsschutz keine Rolle mehr spiele bei der Einstellung
über diese Leihfirma.
Es ist vorauszusehen, dass eine massive Ausweitung der Leiharbeit erfolgt.
Damit steigt der Druck auf die Arbeitslosen weiter, „irgendeine“ Stelle
anzunehmen. Andernfalls wird das ALG gekürzt. Die soziale Rutsche
würde also noch steiler.
Es besteht die Gefahr, dass sich die Arbeitgeber auf Dauer billig aus
der PSA bedienen und damit verstärkt „reguläre“ Arbeitsverhältnisse
abgebaut werden. Die Spaltung in Stamm- und Randbelegschaften würde
weiter beschleunigt.
Offen ist die Frage der tariflichen Bezahlung (welcher Tarifvertrag
wird gelten ? Unwahrscheinlich ist, dass für die LeiharbeitnehmerInnen?
die gleichen Bedingungen durchgesetzt werden können, wie für
die regulären Beschäftigten eines Betriebes).
5) Rückschlag für die Gleichstellung von Frauen auf dem
Arbeitsmarkt ?
Die beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU, die ihre Widerspiegelung
in den nationalen Aktionsplänen finden, haben dem chancengleichen
Zugang von Frauen zum Arbeitsmarkt und der Verbesserung ihrer Erwerbschancen
einen hohen Stellenwert eingeräumt. Auch in den Geschäftszielen
der Bundesanstalt hat(te) die Förderung von Frauen und die Anwendung
des Gender Mainstreaming als Doppelstrategie zur Herstellung von Chancengleichheit
auf dem Arbeitsmarkt eine hohe Priorität.
Solche Ziele oder auch nur Ansätze davon finden sich in den Kommissionsvorschlägen
an keiner Stelle - geschweige denn Zielvorgaben oder die Einbeziehung des
Kriteriums „Herstellung von mehr Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt“
in den Controllingverfahren oder bei den Anforderungen an MitarbeiterInnen?
oder das Führungspersonal.
Bereits der „bemerkenswert“ konsequent männliche Sprachduktus blendet
die Frauen in jeder Hinsicht aus, ob als Akteurinnen, Kundinnen, Beraterinnen,
Stellensuchende, Mitarbeiterinnen, Leiterinnen oder... sie kommen einfach
nicht vor außer in der Kategorie Alleinerziehende oder Familienmütter.
Und dies hat Signalwirkung!
Überhaupt werden in dem Kommissionspapier konservative Familien-
und Geschlechterleitbilder transportiert, die den Lebensentwürfen
der Männer und Frauen heute nicht mehr gerecht werden. Bindungen existieren
längst nicht mehr nur über die Institution Ehe, deshalb darf
Bindung auch nicht am Trauschein festgemacht werden! Ebenso wenig dürfen
verheiratete Frauen mit Kindern, die arbeitslos sind, bei den Zumutbarkeitsregelungen
und bei der Vermittlungspriorisierung schlechter gestellt werden als „Haushaltsvorstände“,
die sie in der Regel nicht sind, weil sie weniger verdient haben, als der
Mann.
Bleibt es bei den Regelungen, ist für eine verheiratete Frau mit
2 Kindern eine Vermittlung im Tagespendlerbereich und nach 6 Monaten eine
bundesweite Vermittlung zumutbar. Dies wird einzig dazu führen, dass
sie sich vom Arbeitsmarkt zurückzieht, aus der Statistik verschwindet
und keine Kosten mehr verursacht. Damit wäre die Versorgerehe zwangsweise
wieder hergestellt mit allen bekannten negativen Konsequenzen vor allem
für die Frauen, aber auch für die Männer und die ganze Familie.
Die angedachten Regelungen zur Ausweitung der geringfügigen Beschäftigung
und zu den Ich-AGen werden sich vor allem für Frauen als Falle erweisen.
Bereits heute sind überwiegend Frauen in den Niedriglohnsektoren zu
finden ohne Aufstiegschancen und ohne Perspektive auf eine qualifizierte
existenzsichernde Beschäftigung. Dies wird sich verschärfen –
nicht nur wegen der Zumutbarkeitsregelungen, sondern auch, weil die Vermittlungspersonen
des Job-Centers selbst unter Leistungsdruck stehen (Leistungslohn).
6 ) Von der Arbeitsförderung zur Arbeitgeberförderung ?
Während auf der einen Seite der Verdrängungswettbewerb nach
unten vorangetrieben, der Arbeitsmarkt dereguliert, die Solidarsysteme
geschwächt und die Arbeitslosen in die Zange genommen werden, wird
den Arbeitgebern der quasi rote Teppich ausgelegt. Es wird der Eindruck
vermittelt, als hätten sie keinerlei Verantwortung für die Schaffung
und den Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.
Im Gegenteil – die Arbeitgeber werden auf vielfältige Weise entlastet
und subventioniert. So können sie zu geringen Kosten auf Probe MitarbeiterInnen?
leihen, ohne sich um den Kündigungsschutz zu kümmern, so gibt
es über Bonussysteme Beitragsnachlässe für die Arbeitslosenversicherung.
Mitnahmeeffekte sind dabei gar nicht zu vermeiden.
So entfällt bei Einstellung älterer ArbeitnehmerInnen? (ab
50) der Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosenversicherung gänzlich.
Die Einstellung älterer ArbeitnehmerInnen? ist grundsätzlich befristet
möglich und für jegliche Dauer. Die Arbeitgeber werden nachgerade
aufgefordert, reguläre Beschäftigungsverhältnisse abzubauen
bzw. umzuwandeln und bis zu einem Verhältnis von 1:1 ihre Betriebe
zu öffnen für die neuen selbständigen Ich-AGen mit nicht
absehbaren Folgen für die Interessensvertretungsstrukturen, die Tarifauseinandersetzungen
und die Solidarsysteme.
Damit aber noch nicht genug: Unsere alte und immer noch richtige Forderung
„Wer nicht ausbildet, soll zahlen“, wird verkehrt in ihr Gegenteil: „Wer
ausgebildet werden will, soll zahlen“! So erhalten Unternehmen entweder
Zuschüsse oder den kompletten Kostenersatz für die Einstellung
eines Jugendlichen im Rahmen der Ausbildung, wenn dieser ein Ausbildungszeitwertpapier
vom Job-Center erhalten hat. Die Finanzierung erfolgt neben einem Rabattkartensystem
und Zuschüssen der Arbeitsverwaltung durch Spenden der gesellschaftlichen
Gruppen (x Euro pro Bundesbürger) und einen Ausbildungsfonds, den
die Familien der Jugendlichen frühzeitig anlegen sollen und der durch
einen Verein verwaltet wird.
Nötig ist eine aktive Beschäftigungspolitik
!
Wir brauchen eine Wende auf dem Arbeitsmarkt, wir brauchen eine offensive
Politik für mehr Beschäftigung in der Bundesrepublik. Die neoliberale,
angebotsorientierte Politik, die den Unternehmern Milliarden Steuerentlastungen
bringt, hat nicht für mehr Beschäftigung gesorgt. Deregulierung
und Sozialabbau sind der falsche Weg.
Wir wollen keine Gesellschaft in der der Ellenbogen regiert. Wir wollen
nicht, dass die Schwachen bestraft und die Reichen belohnt werden. Wir
wollen eine solidarische Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit wieder
groß geschrieben wird, in der die Lasten gerecht verteilt werden.
Wir brauchen eine Politik, die die Arbeitslosigkeit bekämpft – und
nicht die Arbeitslosen!
Dazu müssen die vorhandenen Instrumente genutzt werden und wirklich
neue Maßnahmen ergriffen werden:
Arbeitsmarkt- und Qualifizierungspolitik
Hier geht es vor allem darum, Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt
schnel-
ler und zielgerichteter zusammenbringen. Dazu gehört auch, dass
dem geflügelten Wort vom „lebenslangen Lernen“ Taten folgen, dass
Beschäftige (auch und gerade mit geringer Qualifikation) Anspruch
auf Weiterbildung haben und Strukturen geschaffen werden, die allen die
Telnahme ermöglichen.
Arbeit umverteilen
Es ist ein Skandal, dass sich Millionen von ArbeitnehmerInnen? durch
Überstunden und Mehrarbeit kaputt schuften, während gleichzeitig
Hunderttausende Arbeitswillige keine Arbeit finden! Statt länger zu
arbeiten, muss die vorhandene Arbeit solidarisch auf mehr Schultern verteilt
werden. Dazu müssen die vorhandenen Möglichkeiten konsequent
genutzt und ausgeschöpft werden (Abbau der Überstunden, Arbeitszeitverkürzung,
Teilzeitarbeit, Altersteilzeit usw.).
Mehr öffentliche Investitionen
Wir brauchen ein öffentliches Beschäftigungsprogramm mit
dem Hunderttausende von gesellschaftlich sinnvollen und notwendigen Arbeitsplätzen
geschaffen werden können. Die soziale und kulturelle Infrastruktur
muss öffentlich gestärkt werden. Wir brauchen im Lande mehr öffentliche
Investitionen, vorrangig und dringend in den Bereichen Verkehr, Wasserver-
und entsorgung und im Bildungsbereich.
Die Sparmaßnahmen des Bundes- und Landeshaushaltes lassen derzeit
das Gegenteil befürchten. Die Kürzungen der Zuwendungen an soziale
Träger z.B. führen zu einem Abbau sozialer Dienstleistungen und
hochwertiger Arbeitsplätze. Es regiert die Politik der leeren Kassen...
Finanzierung durch Umverteilung!
Fakt ist: Mit der jetzigen Lastenverteilung der Steuereinnahmen sind
diese Maßnahmen nicht finanzierbar. Tatsache ist aber auch: Geld
ist genug da, es muss nur anders verteilt werden. In den letzten 20 Jahren
hat sich die Verteilung massiv zu Lasten der ArbeitnehmerInnen? entwickelt.
Ein halbes Prozent der Bevölkerung verfügt heute über 25
Prozent des Geldvermögens.
Die zunehmende öffentliche Armut und der gleichzeitig wachsende
private Reichtum sind schlecht für den Konsum und für die Konjunktur.
Zur Finanzierung der dringend notwendigen Investitionen muss deshalb die
Einnahmeseite gestärkt werden. Wir wollen, dass der wachsende Reichtum
zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben herangezogen wird. Deshalb
fordern wir:
-
Die Wiedereinführung einer reformierten Vermögenssteuer und höhere
Besteuerung großer Erbschaften
-
konsequentere Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Wirtschaftskriminalität
und eine europaweit harmonisierte Besteuerung von Zinseinkünften sowie
eine Börsenumsatzsteuer
-
eine Gemeindesteuerreform und eine Reform der Unternehmensbesteuerung.
Unternehmen, die Gewinne machen, müssen auch Steuern zahlen!
-
keine weitere Senkung des Spitzensteuersatzes.
Gegensteuern statt kaputtsparen!
Wir brauchen eine Korrektur des Sparkurses, denn durch die Ausgabenkürzungen
des Staates wird das Wachstum nachhaltig geschwächt. Wir müssen
umsteuern, damit unsere Städte und Gemeinden lebenswert bleiben. Der
Aufschwung in Deutschland ist deshalb so schwach, weil es an Binnennachfrage
fehlt. Deshalb brauchen wir mehr öffentliche Investitionen und ein
Ende der Kürzungen im öffentlichen Dienst. Auch wir sind dafür,
dass die Staatsverschuldung Schritt um Schritt abgebaut wird. Aber dazu
muss an der richtigen Seite angesetzt werden, nämlich bei den Einnahmen!
Es wird höchste Zeit, dass in der Bundesrepublik soziale Gerechtigkeit
wieder groß geschrieben wird.
Positionen zu den Vorschlägen der Hartz- Kommission
| Datum |
Autor |
Originaldatei zum Herunterladen |
| 31.7.2002 |
Sabine Leidig |
333 Kbyte |
[Zurück zur Übersicht: Texte und Infos]
Positionen zu den Vorschlägen der Hartz- Kommission
(Stand: 31.7.02 / zusammengestellt von Sabine Leidig für Attac
Karlsruhe)
Gesamtbewertung:
Erklärtes Ziel des „Hartz-Papieres“ ist die Reform der Arbeitsverwaltung
und der Abbau der Arbeitslosigkeit. So wird versprochen, bei „konsequenter
Umsetzung“ der vorgeschlagenen Module könne bis zum Jahre 2005 die
Arbeitslosigkeit in Deutschland halbiert werden. Dazu seien Einschnitte
und grundlegende Umstrukturierungen nötig. Wer wollte gegen dieses
ehrgeizige Ziel etwas haben?
In den Vorschlägen der Kommission findet sich auch einige positive
Vorschläge, zu denen gehören :
-
Fortführung der Reform der Arbeitsverwaltung für besseren „Kundenservice“
-
rechtzeitige Hilfen (schon vor Eintritt der Arbeitslosigkeit)
-
neue organisatorische Strukturen (z.B. neue Rolle der LAA)
-
Erstellung von Arbeitsplatzbilanzen u.ä. durch die Betriebe
Der gewerkschaftlichen Vertretung in der Kommission ist es auch gelungen,
Verbesserungen im Vergleich zum ersten Entwurf durchzusetzen ( z.B. keine
Pauschalierung des Arbeitslosengeldes, keine zeitliche Begrenzung des Arbeitslosengeldes...).
Aber: Die Grundausrichtung der meisten Vorschläge gibt Anlass
zum Widerspruch !
Grundproblem der Vorschläge der Kommission ist der Ansatz, Arbeitslosigkeit
vorrangig als Problem der Arbeitslosen und zu hoher Arbeitskosten anzusehen
und nicht als Ergebnis einer gesamtwirtschaftlichen Fehlentwicklung:
-
Arbeitslose werden durch verschärfte Zumutbarkeitsanforderungen und
Leistungskürzungen unter Druck gesetzt, Arbeit in Niedriglohnbereichen
und nicht sozial abgesicherten Beschäftigungsverhältnissen aufzunehmen.
Zum Teil wird Arbeitslosig-keit auch nur statistisch „wegdefiniert“.
-
Durch die Deregulierung des Arbeitsmarktes wird ein verschärfter Verdrängungswettbewerb
ausgelöst, der nicht etwa zusätzliche Arbeitsplätze schafft,
sondern der gute und teuere Arbeit durch schlechte und billige Arbeit ersetzt.
Zugleich ergeben sich weitreichende negative Konsequenzen für die
Arbeitslosen, für das System der sozialen Sicherung sowie für
die arbeits- und sozialrechtliche Absicherung und die Interessenvertretung
der Beschäftigten insgesamt.
-
Die verschärfte Marginalisierung der Frauenerwerbstätigkeit ist
dabei nur eine negative Begleiterscheinung.
-
Während an die Arbeitslosen enorme Anforderungen gestellt werden,
können sich die Arbeitgeber aus ihrer Verantwortung stehlen und sich
darüber hinaus über eine Vielzahl von Entlastungen und Zuwendungen
freuen, weit über die Aushöhlung der paritätischen Finanzierung
hinaus.
Aus ökonomischer und beschäftigungspolitischer Sicht spricht
nichts dafür, dass die Arbeitslosigkeit mit den vorgeschlagenen Instrumenten
abgebaut werden könnte. In Zeiten einer krisenhaften wirtschaftlichen
Entwicklung in der Bundesrepublik und auf den Weltmärkten und unter
den Rahmenbedingungen einer Finanzpolitik, die den wegbrechenden Steuereinnahmen
durch Ausgabenkürzungen „hinterherspart“, lässt sich Arbeitslosigkeit
nicht durch eine Deregulierung des Arbeitsmarktes wegzaubern. Was fehlt,
sind Arbeitsplätze – und diese werden derzeit in der Privatwirtschaft
und im öffentlichen Dienst in Besorgnis erregender Geschwindigkeit
abgebaut!
Aber nicht nur das hochgesteckte Ziel wird scheitern; zugleich werden
mit den vorgeschlagenen Maßnahmen und Veränderungen zentrale
Elemente des Sozialstaates, für die die Gewerkschaften aus guten Gründen
über Jahre hinweg gefochten haben, aufgegeben. Mit haltlosen Versprechungen
werden unter dem Druck des Wahlkampfes in Windeseile Veränderungen
angestoßen, die von neoliberaler Seite uneingeschränkten Zuspruch
finden und von denen wir fürchten, dass sie nicht mehr umkehrbar sind.
Zu einzelnen Vorhaben:
1) Mehr Beschäftigung durch Leistungskürzungen ?
Arbeitslosengeld (ALG I) und Arbeitslosenhilfe (ALG II) sollen zusammengelegt
werden. Das ALG II (steuerfinanziert) wird unbegrenzt gezahlt, allerdings
nur bei Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt. Die Verfügbarkeit
wird verschärft geprüft, bei Nicht-Verfügbarkeit wird nur
noch Sozialgeld gezahlt.
Gegenüber den bisher vorliegenden Papieren konnte zwar einiges
abgemildert werden. Das tatsächliche Ausmaß der Leistungskürzungen
lässt sich aber noch nicht quantifizieren, da über die Höhe
von ALG I und II noch keine Informationen vorliegen. Aufgrund der verschärften
Zumutbarkeitsregelungen wird es allerdings zu erheblichen Einschnitten
kommen. Das ALG kann nicht nur aufgrund der Ablehnung einer „zumutbaren“
Stelle, sondern auch bei Kündigung aus persönlichen Gründen
im Leiharbeitsverhältnisgekürzt oder in Sozialgeld umgewandelt
werden. Dabei soll der Vermittler/Berater flexiblere Möglichkeiten
erhalten, um solche Kürzungen vorzunehmen. Das bedeutet, dass die
Arbeitslosen in eine erhebliche Abhängigkeit von der zuständigen
Vermittlungsperson im „jobcenter“ - die selbst wiederum unter finanziellem
Erfolgsdruck steht – kommen.
Für Hunderttausende von Arbeitslosen, die nicht Kürzungen,
sondern Förderung bräuchten, bedeutet das in der Konsequenz eine
noch steilere finanzielle (und soziale ) Rutsche, Abhängigkeitsverhältnisse
in Familien werden verstärkt, Kommunen zusätzlich belastet.
2) Bekämpfung der Schwarzarbeit durch Schaffung von Ich-AGen
?
Mit unterschiedlichen Instrumenten soll versucht werden, Menschen in
Arbeit zu halten oder zu bringen und gleichzeitig die Schwarzarbeit zurückzudrängen.
Das Anliegen wird von uns geteilt, die gewählten Instrumente allerdings
sind kontraproduktiv und tragen zur weiteren Erosion des Normalarbeitsverhältnisses
bei. Die Ergebnisse einer solchen Politik lassen sich in den USA beobachten,
wo Millionen von Beschäftigten drei verschiedene Arbeitsstellen brauchen,
um ihre Existenz einigermaßen absichern zu können.
Die sogenannte Ich-AG ist als „Vorstufe“ zur Gründung eines vollwertigen
Gewerbebetriebes gedacht. Die Einnahmen sollen auf 25.000 Euro begrenzt
sein, es erfolgt eine Pauschal-versteuerung von 10%. Damit sollen Schwarzarbeiter
in eine legale Beschäftigung geholt werden.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass „Ich-AGen“ und „Familien-AGen“ ein
probates Mittel sind, neue Beschäftigung auf- und Schwarzarbeit abzubauen.
Wir befürchten vielmehr, dass bisher steuerpflichtige, reguläre
Beschäftigungsverhältnisse in diese neuen Rechtsformen umgewandelt
werden, um damit weniger Steuern zu zahlen, oder „billiger“ entlohnen zu
können und die Interessenvertretung zu umgehen. Bis zu einem Verhältnis
von maximal 1:1 sollen in den Betrieben Ich-AGen eingesetzt werden können.
Wir befürchten, dass damit in mehrfacher Hinsicht Druck auf reguläre
Beschäftigung und auf die Tarifverträge ausgeübt wird!
Schwarzarbeit offensiv bekämpfen !
Die Eindämmung der Schwarzarbeit ist ein begrüßenswertes
Ziel. Bei einem Volumen von (geschätzten) 330 Mrd. Euro, davon über
ein Drittel in der Bauwirtschaft, gibt es wahrlich viel zu tun.
Es sind in der Regel aber nicht die Arbeitslosen, die schwarz arbeiten,
sondern überwiegend Beschäftigte. Schwarzarbeit lohnt sich –
vor allem für die Arbeitgeber.
Vorteilhaft ist die Schwarzarbeit nicht für die z.T. zu Hungerlöhnen
arbeitenden illegal Beschäftigten oder die Schwarzarbeiter selbst,
sondern für die Unternehmer, die durch solche Beschäftigung Extraprofite
einstreichen. Sie müssen zur Verantwortung gezogen werden!
Fakt ist, dass durch Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung immer
mehr qualifizierte Arbeitsplätze vernichtet werden. Fakt ist, dass
durch Schwarzarbeit Milliarden an Steuern und Sozialabgaben verloren gehen.
Dies kann nicht hingenommen werden! Deshalb müssen die vorhandenen
Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten stärker und konsequenter
genutzt werden. Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminelle
Handlung. Das am 1.8.2002 in Kraft getretene Gesetz zur Erleichterung der
Bekämpfung von illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit muss
konsequent angewendet werden.
3) Mehr Beschäftigung durch Ausweitung der Mini-Jobs ?
Im neuesten Entwurf ist diese Regelung zwar beschränkt auf haushaltsnahe
Dienstleistungen und gilt nur für Arbeitslose. Dies ist sicherlich
ein erheblicher Fortschritt gegenüber den ursprünglichen Plänen.
Gleichzeitig wird aber darauf verwiesen, dass diese Einschränkung
nur für die Einführungsstufe gilt. Je nach Erfahrung kann eine
Ausweitung auf andere Tätigkeiten und Zielgruppen erfolgen. Damit
ist der Grundstein für die generelle Ausweitung gelegt, zumal diese
Einschränkung eine Vielzahl von Ungereimtheiten mit sich bringt, die
kaum zu lösen sein werden.
Jahrelang haben sich die Gewerkschaften mit vielen Bündnispartnern
aus Kirchen, Frauenverbänden u.a. für die Einbeziehung der geringfügig
Beschäftigten in die Systeme der sozialen Sicherung eingesetzt. Die
Argumente sind hinlänglich ausgetauscht worden: Eine Ausweitung dieser
Beschäftigung und eine Verschlechterung des Schutzes ist sozialpolitisch,
frauenpolitisch, arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitisch sowie gewerkschaftspolitisch
kontraproduktiv und muss auf jeden Fall verhindert werden.
Das Gleiche gilt für die Subventionierung der Sozialversicherungsbeiträge
für Niedrigeinkommen zwischen 500 und 1000 Euro. Mitnahmeeffekte und
Umwandlungen sind vorprogrammiert, ein Niedriglohnsektor (für Frauen)
wird etabliert. Auch hier sind die Argumente seit Jahren ausgetauscht und
die Kommission wäre besser beraten, dieses viele Geld in den Aufbau
neuer Beschäftigung zu stecken
4) Mehr Beschäftigung durch PSA ?
„Herzstück des Abbaus der Arbeitslosigkeit ist eine neue Form der
Zeitarbeitsgesellschaft, die PersonalServiceAgentur? (PSA). Jedes Arbeitsamt
wird zukünftig über eine eigene oder outgesourcte PSA verfügen.“
(O-Ton)
Damit bilden die out-gesourcten PSA Grundlage für die Privatisierung
großer Teile der Bundesanstalt für Arbeit.
In der ersten Hartz-Vorlage ist vorgesehen, dass Leistungsempfänger
nach 6 Monaten Arbeitslosigkeit ein Arbeitsverhältnis in der PSA annehmen
müssen und dieses auf maximal 12 Monate befristet ist – und dann ?
Die PSA werden gegenüber den Arbeitgebern angepriesen mit dem Versprechen,
dass damit der Kündigungsschutz keine Rolle mehr spiele bei der Einstellung
über diese Leihfirma.
Es ist vorauszusehen, dass eine massive Ausweitung der Leiharbeit erfolgt.
Damit steigt der Druck auf die Arbeitslosen weiter, „irgendeine“ Stelle
anzunehmen. Andernfalls wird das ALG gekürzt. Die soziale Rutsche
würde also noch steiler.
Es besteht die Gefahr, dass sich die Arbeitgeber auf Dauer billig aus
der PSA bedienen und damit verstärkt „reguläre“ Arbeitsverhältnisse
abgebaut werden. Die Spaltung in Stamm- und Randbelegschaften würde
weiter beschleunigt.
Offen ist die Frage der tariflichen Bezahlung (welcher Tarifvertrag
wird gelten ? Unwahrscheinlich ist, dass für die LeiharbeitnehmerInnen?
die gleichen Bedingungen durchgesetzt werden können, wie für
die regulären Beschäftigten eines Betriebes).
5) Rückschlag für die Gleichstellung von Frauen auf dem
Arbeitsmarkt ?
Die beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU, die ihre Widerspiegelung
in den nationalen Aktionsplänen finden, haben dem chancengleichen
Zugang von Frauen zum Arbeitsmarkt und der Verbesserung ihrer Erwerbschancen
einen hohen Stellenwert eingeräumt. Auch in den Geschäftszielen
der Bundesanstalt hat(te) die Förderung von Frauen und die Anwendung
des Gender Mainstreaming als Doppelstrategie zur Herstellung von Chancengleichheit
auf dem Arbeitsmarkt eine hohe Priorität.
Solche Ziele oder auch nur Ansätze davon finden sich in den Kommissionsvorschlägen
an keiner Stelle - geschweige denn Zielvorgaben oder die Einbeziehung des
Kriteriums „Herstellung von mehr Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt“
in den Controllingverfahren oder bei den Anforderungen an MitarbeiterInnen?
oder das Führungspersonal.
Bereits der „bemerkenswert“ konsequent männliche Sprachduktus blendet
die Frauen in jeder Hinsicht aus, ob als Akteurinnen, Kundinnen, Beraterinnen,
Stellensuchende, Mitarbeiterinnen, Leiterinnen oder... sie kommen einfach
nicht vor außer in der Kategorie Alleinerziehende oder Familienmütter.
Und dies hat Signalwirkung!
Überhaupt werden in dem Kommissionspapier konservative Familien-
und Geschlechterleitbilder transportiert, die den Lebensentwürfen
der Männer und Frauen heute nicht mehr gerecht werden. Bindungen existieren
längst nicht mehr nur über die Institution Ehe, deshalb darf
Bindung auch nicht am Trauschein festgemacht werden! Ebenso wenig dürfen
verheiratete Frauen mit Kindern, die arbeitslos sind, bei den Zumutbarkeitsregelungen
und bei der Vermittlungspriorisierung schlechter gestellt werden als „Haushaltsvorstände“,
die sie in der Regel nicht sind, weil sie weniger verdient haben, als der
Mann.
Bleibt es bei den Regelungen, ist für eine verheiratete Frau mit
2 Kindern eine Vermittlung im Tagespendlerbereich und nach 6 Monaten eine
bundesweite Vermittlung zumutbar. Dies wird einzig dazu führen, dass
sie sich vom Arbeitsmarkt zurückzieht, aus der Statistik verschwindet
und keine Kosten mehr verursacht. Damit wäre die Versorgerehe zwangsweise
wieder hergestellt mit allen bekannten negativen Konsequenzen vor allem
für die Frauen, aber auch für die Männer und die ganze Familie.
Die angedachten Regelungen zur Ausweitung der geringfügigen Beschäftigung
und zu den Ich-AGen werden sich vor allem für Frauen als Falle erweisen.
Bereits heute sind überwiegend Frauen in den Niedriglohnsektoren zu
finden ohne Aufstiegschancen und ohne Perspektive auf eine qualifizierte
existenzsichernde Beschäftigung. Dies wird sich verschärfen –
nicht nur wegen der Zumutbarkeitsregelungen, sondern auch, weil die Vermittlungspersonen
des Job-Centers selbst unter Leistungsdruck stehen (Leistungslohn).
6 ) Von der Arbeitsförderung zur Arbeitgeberförderung ?
Während auf der einen Seite der Verdrängungswettbewerb nach
unten vorangetrieben, der Arbeitsmarkt dereguliert, die Solidarsysteme
geschwächt und die Arbeitslosen in die Zange genommen werden, wird
den Arbeitgebern der quasi rote Teppich ausgelegt. Es wird der Eindruck
vermittelt, als hätten sie keinerlei Verantwortung für die Schaffung
und den Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.
Im Gegenteil – die Arbeitgeber werden auf vielfältige Weise entlastet
und subventioniert. So können sie zu geringen Kosten auf Probe MitarbeiterInnen?
leihen, ohne sich um den Kündigungsschutz zu kümmern, so gibt
es über Bonussysteme Beitragsnachlässe für die Arbeitslosenversicherung.
Mitnahmeeffekte sind dabei gar nicht zu vermeiden.
So entfällt bei Einstellung älterer ArbeitnehmerInnen? (ab
50) der Arbeitgeberbeitrag zur Arbeitslosenversicherung gänzlich.
Die Einstellung älterer ArbeitnehmerInnen? ist grundsätzlich befristet
möglich und für jegliche Dauer. Die Arbeitgeber werden nachgerade
aufgefordert, reguläre Beschäftigungsverhältnisse abzubauen
bzw. umzuwandeln und bis zu einem Verhältnis von 1:1 ihre Betriebe
zu öffnen für die neuen selbständigen Ich-AGen mit nicht
absehbaren Folgen für die Interessensvertretungsstrukturen, die Tarifauseinandersetzungen
und die Solidarsysteme.
Damit aber noch nicht genug: Unsere alte und immer noch richtige Forderung
„Wer nicht ausbildet, soll zahlen“, wird verkehrt in ihr Gegenteil: „Wer
ausgebildet werden will, soll zahlen“! So erhalten Unternehmen entweder
Zuschüsse oder den kompletten Kostenersatz für die Einstellung
eines Jugendlichen im Rahmen der Ausbildung, wenn dieser ein Ausbildungszeitwertpapier
vom Job-Center erhalten hat. Die Finanzierung erfolgt neben einem Rabattkartensystem
und Zuschüssen der Arbeitsverwaltung durch Spenden der gesellschaftlichen
Gruppen (x Euro pro Bundesbürger) und einen Ausbildungsfonds, den
die Familien der Jugendlichen frühzeitig anlegen sollen und der durch
einen Verein verwaltet wird.
Nötig ist eine aktive Beschäftigungspolitik
!
Wir brauchen eine Wende auf dem Arbeitsmarkt, wir brauchen eine offensive
Politik für mehr Beschäftigung in der Bundesrepublik. Die neoliberale,
angebotsorientierte Politik, die den Unternehmern Milliarden Steuerentlastungen
bringt, hat nicht für mehr Beschäftigung gesorgt. Deregulierung
und Sozialabbau sind der falsche Weg.
Wir wollen keine Gesellschaft in der der Ellenbogen regiert. Wir wollen
nicht, dass die Schwachen bestraft und die Reichen belohnt werden. Wir
wollen eine solidarische Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit wieder
groß geschrieben wird, in der die Lasten gerecht verteilt werden.
Wir brauchen eine Politik, die die Arbeitslosigkeit bekämpft – und
nicht die Arbeitslosen!
Dazu müssen die vorhandenen Instrumente genutzt werden und wirklich
neue Maßnahmen ergriffen werden:
Arbeitsmarkt- und Qualifizierungspolitik
Hier geht es vor allem darum, Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt
schnel-
ler und zielgerichteter zusammenbringen. Dazu gehört auch, dass
dem geflügelten Wort vom „lebenslangen Lernen“ Taten folgen, dass
Beschäftige (auch und gerade mit geringer Qualifikation) Anspruch
auf Weiterbildung haben und Strukturen geschaffen werden, die allen die
Telnahme ermöglichen.
Arbeit umverteilen
Es ist ein Skandal, dass sich Millionen von ArbeitnehmerInnen? durch
Überstunden und Mehrarbeit kaputt schuften, während gleichzeitig
Hunderttausende Arbeitswillige keine Arbeit finden! Statt länger zu
arbeiten, muss die vorhandene Arbeit solidarisch auf mehr Schultern verteilt
werden. Dazu müssen die vorhandenen Möglichkeiten konsequent
genutzt und ausgeschöpft werden (Abbau der Überstunden, Arbeitszeitverkürzung,
Teilzeitarbeit, Altersteilzeit usw.).
Mehr öffentliche Investitionen
Wir brauchen ein öffentliches Beschäftigungsprogramm mit
dem Hunderttausende von gesellschaftlich sinnvollen und notwendigen Arbeitsplätzen
geschaffen werden können. Die soziale und kulturelle Infrastruktur
muss öffentlich gestärkt werden. Wir brauchen im Lande mehr öffentliche
Investitionen, vorrangig und dringend in den Bereichen Verkehr, Wasserver-
und entsorgung und im Bildungsbereich.
Die Sparmaßnahmen des Bundes- und Landeshaushaltes lassen derzeit
das Gegenteil befürchten. Die Kürzungen der Zuwendungen an soziale
Träger z.B. führen zu einem Abbau sozialer Dienstleistungen und
hochwertiger Arbeitsplätze. Es regiert die Politik der leeren Kassen...
Finanzierung durch Umverteilung!
Fakt ist: Mit der jetzigen Lastenverteilung der Steuereinnahmen sind
diese Maßnahmen nicht finanzierbar. Tatsache ist aber auch: Geld
ist genug da, es muss nur anders verteilt werden. In den letzten 20 Jahren
hat sich die Verteilung massiv zu Lasten der ArbeitnehmerInnen? entwickelt.
Ein halbes Prozent der Bevölkerung verfügt heute über 25
Prozent des Geldvermögens.
Die zunehmende öffentliche Armut und der gleichzeitig wachsende
private Reichtum sind schlecht für den Konsum und für die Konjunktur.
Zur Finanzierung der dringend notwendigen Investitionen muss deshalb die
Einnahmeseite gestärkt werden. Wir wollen, dass der wachsende Reichtum
zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben herangezogen wird. Deshalb
fordern wir:
-
Die Wiedereinführung einer reformierten Vermögenssteuer und höhere
Besteuerung großer Erbschaften
-
konsequentere Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Wirtschaftskriminalität
und eine europaweit harmonisierte Besteuerung von Zinseinkünften sowie
eine Börsenumsatzsteuer
-
eine Gemeindesteuerreform und eine Reform der Unternehmensbesteuerung.
Unternehmen, die Gewinne machen, müssen auch Steuern zahlen!
-
keine weitere Senkung des Spitzensteuersatzes.
Gegensteuern statt kaputtsparen!
Wir brauchen eine Korrektur des Sparkurses, denn durch die Ausgabenkürzungen
des Staates wird das Wachstum nachhaltig geschwächt. Wir müssen
umsteuern, damit unsere Städte und Gemeinden lebenswert bleiben. Der
Aufschwung in Deutschland ist deshalb so schwach, weil es an Binnennachfrage
fehlt. Deshalb brauchen wir mehr öffentliche Investitionen und ein
Ende der Kürzungen im öffentlichen Dienst. Auch wir sind dafür,
dass die Staatsverschuldung Schritt um Schritt abgebaut wird. Aber dazu
muss an der richtigen Seite angesetzt werden, nämlich bei den Einnahmen!
Es wird höchste Zeit, dass in der Bundesrepublik soziale Gerechtigkeit
wieder groß geschrieben wird.
- Name: Chistian Au
- Email: c.au@gmx.de
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Wer und Was sind die Attaccies?
Die Mitglieder von Atatc kommen aus allen Gesellschaftsschichten und allen Altersstufen. Sowohl jugendliche als auch alte Widerständler, Ökonomen, die den Wahnsinn des Welthandels erkannt haben, als auch Altlinke sind einig darin, dass die neoliberale Globalisierung ein Weg in den Untergang ist.
Abseits dessen gehen viele Meinungen auseinander, so dass Toleranz gegenüber anderen Meinungen zu einem der Hauptmerkmale aller Attaccies gehört und gehören muss.
--
ArneBab - 06 Jul 2002
Muslime und Diskriminierung
Vortrag von Rüstü Aslandur mit anschließender Diskussion
Der Vortrag geht im ersten Teil auf intolerante Haltungen und Diskriminierung gegen Muslime ein und beschreibt, wie bereits bestehende Vorurteile und entsprechende Diskriminierung neuen Auftrieb erfahren. Im zweiten Teil will der Vortrag vermitteln, welche Methoden und Ansätze der Islam und die Muslime mitbringen, um Rassismus zu verhindern und für Toleranz und Respekt gegenüber anderen einzustehen.
Veranstalter des Vortrages ist der
Deutschsprachigen Muslimkreis Karlsruhe e.V. (DMK). Der Vortrag findet am
Mittwoch, den 30. November 2005
um 19.30 Uhr
in den Räumlichkeiten des DMK, Kaiserpassage 10, 2. OG statt.
Rüstü Aslandur ist ein Mitgründer des DMK und ehemaliger Vorsitzender des Dachverbands der Muslime in Karlsruhe und Umgebung.
Diese Veranstaltung ist Teil einer Veranstaltungsreihe der Unterstützer der Protestaktion gegen den Nazi-Aufmarsch am 3. Dezember 2005 in Karlsruhe.
Rehabilitierung der öffentlichen Dienste der Daseinsfürsorge, statt deren Zerstörung durch neoliberale Privatisierung!
und
Strategien gegen den Ausverkauf des Wassers
Ein Grundsatzpapier von Attac Karlsruhe
Der deutsche Wasser- und Abwassermarkt besteht aus annähernd 14.000 Betrieben, die sich derzeit noch überwiegend in der öffentlichen Hand befinden. Doch die Auseinandersetzungen um das Trinkwasser verschärfen sich. So befürwortet die Bundesregierung eine "Öffnung" des Wasser- und Abwassermarktes gegenüber privaten Ver- und Entsorgungsunternehmen. Immer häufiger werden Wasserversorgung, Klärwerke und Infrastruktur an Großunternehmen und Konzerne verkauft oder per Cross Border Leasing vermietet. Meist gehen diese Transaktionen still und leise vonstatten, ohne besonderes Augenmerk der Presse und ohne ausreichende Information der VerbraucherInnen.
Attac Karlsruhe will mit diesem Grundsatzpapier ein Statement gegen den Ausverkauf des Wassers abgeben und aufzeigen, warum die öffentlichen Dienste rehabilitiert werden müssen!
Der vorliegende Text soll auf der einen Seite einen Beitrag zur Aufklärung über die Hintergründe (Drahtzieher, Akteure und Vorgehensweisen) der Wasser-Privatisierung leisten und auf der anderen Seite Argumentationshilfen und Strategien aufzeigen, die im Kampf gegen den drohenden Ausverkauf des Wassers und der öffentlichen Dienste hilfreich sein können.
Denn es gilt:
Das Wasser gehört uns allen!
I. Hintergründe
Das Prinzip der Verschleierung
Die Privatisierung des Wassers ist politisch nur durchsetzbar, wenn die negativen Konsequenzen des Vorganges gegenüber einer unaufgeklärten Öffentlichkeit "verschleiert" werden können. Die Strategie der Verantwortlichen geht sogar soweit, den abstimmenden Stadt- und Gemeinderäte möglichst keinen vollen Durchblick über die Zusammenhänge zu gewähren. (Man betrachte nur einmal die Cross-Border-Leasing Verträge, bei denen auch noch die Kurzfassungen für die Gemeinderäte Kunstwerke der Verschleierung sind.)
Diese bewusste Verdunklung von Vorgängen und Sachverhalten sowie die Verhinderung von Aufklärung der WählerInnen und KonsumentInnen gehört zur Grundsystematik der neoliberalen Praxis (Beispiel.: Enron hat mehrere Tausend Briefkastenfirmen unterhalten; bei den Berlusconi-Unternehmenskonstruktionen soll es 45 geben.) Auch der gigantische aktuelle Parmalat Betrugsfall zeigt exemplarisch, dass er nur durch kunstvolle und komplexe Verschleierung möglich war. Er macht auch deutlich, dass die entfesselte, deregulierte Wirtschaft auch Top-Manager und Wirtschaftsbosse "entfesselt". Die Zahl derer, die ihr wild expandierendes Ego nicht selbst unter Kontrolle halten können, steigt! Sie brauchen dringend ein venünftiges Regelwerk und demokratische Kontrolle!
Die Abwärtsspirale scheint unaufhaltsam. (Parmalat siehe Spiegel 3 /2004 "Affären "Schwarzes Loch") Soeben wird die Milliardenmanipulation des "renommierten" Schweizer Konzerns Adecco bekannt.
In derselben Spiegel-Ausgabe findet sich unter dem Titel - Aufsichtsräte "Pikantes Engagement" - die Notiz, dass der Vorstandsvorsitzende der Deutschen
PostAG? in den Aufsichtsrat der Investbank Morgan Stanley gewählt worden ist (Salär für vermutlich sehr wenig oder möglicherweise sogar gar keine ernsthafte Arbeit: ca. 100.000 Euro pro Jahr!) Pikant dabei ist, dass Stanley kurz zuvor zusammen mit der Deutschen Bank von der Post AG den höchst lukrativen Auftrag erhalten hat, die Postbank, 100%ige Tochter der deutschen Bank, an die Börse zu bringen. Der Spiegel merkt noch an, dass der New Yorker Strafverfolger Eliot Spitzer, zu enge Kontakte zwischen Investmentbanken und Kunden auf Kosten der Kleinanleger kritisiert. Auch die Korruption blüht und gedeiht im Dunkeln!
Fehlende Transparenz der freien Märkte
Auf die gleiche Weise wird Konsumenten lebhafte Konkurrenz der Anbieter vorgegaukelt, wo gar keine mehr existiert. Früher zeigten die Konzerne gerne auf den Endprodukten den Konzernnamen des Tochterunternehmen. Heute sind z. B. auf den Mineralwasserflaschen die Hinweise auf die wirklichen Eigentümer verschwunden und kein Verbraucher kann mehr erkennen, ob er Wasser von Danone oder Nestle kauft, die gerade dabei sind, den europäischen Mineralwassermarkt untereinander aufzuteilen.
Längst sind scheinbar konkurrierende Einzelhandelsunternehmen durch ihre Konzernmütter verbunden, was draußen möglichst verschleiert wird. Die in der neoliberalen Ideologie vorausgesetzte Transparenz der Märkte wird zur Farce. Die Prediger der Wunderwirkungen des freien Marktes schauen hierbei ebenso tatenlos zu, wie die sich selbst entmachtenden Regierungen. Da auch die freie Presse an dieser Stelle viel zu selten genau hinsieht, muss Attac gemeinsam mit den etablierten Verbraucherorganisationen auch Verbraucherschutz und -aufklärung betreiben!
Wer sind die Drahtzieher der Privatisierung?
Hier handelt es sich vor allem um das institutionelle Kapital in Form von Fonds etc, von denen zwischenzeitlich sogar die großen Wasser-Konzerne abhängig geworden sind. Die Fonds geben oder entziehen Gelder in Milliardenhöhen und üben an den Börsen ungeheuren Einfluss auf die Shareholder der Unternehmen und Konzerne aus. Sie sind die wahren "Global Player".
Sie suchen weltweit unermüdlich gewinnbringende Märkte für die von ihnen beeinflussten Unternehmen. Erkennbar sind aber fast nur die im Blickfeld der Öffentlichkeit agierenden Konzerne, z. B. die französischen und deutschen Wasserkonzerne.
Das institutionelle Kapital und seine Konzerne haben die organisatorische und technologische Intelligenz weitgehend für ihre Zwecke instrumentalisiert. Die undurchsichtigen Machenschaften rund um die Cross Border Leasing-Vereinbarungen wurden von großen Beratungsunternehmen in Gang gebracht, mit der Folge, dass für den amerikanischen Steuerzahler Milliardenschäden entstanden sind. (Hier streifen wir den neoliberalen Misstand: Wirtschaftliche Konzentration und Risikogesellschaft. Das Risiko wächst überproportional! Schäden durch Enron,
WorldCom? Long Term Capital Fund, Parmalat und das organisierte Verbrechen erreichen Größenordnungen von hunderten Milliarden!)
Das institutionelle Kapital verfügt über die finanziellen Mittel, um eine effiziente Propagandamaschine in Gang zu halten und eine wirksame Lobby zu unterhalten, die unmittelbaren Einfluss auf die Parteien und Regierungen nimmt. (Im Irak wird jetzt die Beute an die Unternehmen verteilt, die auch als Wahlkampfspender für die Republikaner bekannt geworden sind.)
Die Propagandamaschine des neoliberalen Systems richtete sich nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems insbesondere auf die Diffamierung des Staates und seiner Institutionen. Der angeblich übermächtige Staat, sollte bis auf einige wenige Restfunktionen zurückgedrängt werden, damit sich die schöpferischen und notfalls heilenden Marktkräfte "liberal" entfalten können.
Das Versagen der Akteure
Die sich aus der allgemeinen Liberalisierung ergebenden ungeheuren Kapital- und Machtkonzentrationen in privaten Händen sollten durch geniale, leistungsbereite und verantwortungsvolle Wirtschaftsbosse die Mittel schaffen, globalen Wohlstand und Arbeit hervorzubringen.
Doch weder die moralischen noch die fachlichen Fähigkeiten der Konzernvorstände und Kapitaleigner sind mit der Finanz- und Machtkonzentration gewachsen. Das Gegenteil ist der Fall wie die kriminellen Machenschaften der Konzernspitzen bei
WorldCom?, Enron und Parmalat zeigen und die aktuellen Krisen der Großbanken und Versicherungen sichtbar machen. Es hat sich gezeigt, dass der Weg vom seriösen Großbanker zum verantwortungslosen und enthemmten Spekulanten und Zocker äußerst kurz sein kann, wenn moralischer Außendruck und demokratische Kontrolle fehlen.
Der geschwächte Staat
Da es nicht gelang, ausreichend große globale Märkte schnell genug zu entwickeln, und da das Kapital "von Natur aus" unersättlich ist, sieht es nun die öffentlichen Dienste als lukrative Privatisierungsobjekte an - natürlich immer nur zum Wohle der Menschheit...
So wurde also eine ungeheure Diffamierungskampagne gegen den Staat in Gange gesetzt, die systematisch auf die Schwächung seiner Institutionen zielt. Die Hauptargumente: der Staat sei ineffizient, aufgebläht, bürokratisch und viel zu teuer. Privatisierung sei das alleinige Allheilmittel.
Tatsächlich haben diese Propagandaaussagen - gestützt von einer Presse, die den Glauben an den Neoliberalismus immer noch nicht verloren hat - ihre meinungsbildende Wirkung beim Wähler getan; und leider haben nicht selten ineffiziente öffentliche Unternehmen diesem Vorurteil Vorschub geleistet.
Attac entlarvt die neoliberalen Lügen
Wenn man sich jedoch mit den Argumentationssträngen der Privatisierer im einzelnen auseinandersetzt, wird schnell deutlich, wie oberflächlich ihre Kritik an den staatlichen Institutionen bleibt und wie hohl und unglaubwürdig die Versprechungen der neoliberalen Segnungen klingen:
- Die privaten Konzerne werden auf Grund des vitalen Antriebes des Gewinnstrebens durch straffe und intelligente Organisation über ihre Gewinne hinaus ein Maximum an Wertschöpfung erzeugen (Reales Wachstum).
Heute zeigt sich nicht zuletzt am Beispiel der Wasserkonzerne, dass die Konzerne unter dem Druck der Shareholder, d. h. des institutionellen Kapitals in Form mächtiger Fonds, praktisch nur noch am Kurzfristprofit interessiert sind und langfristige Planung und Aspekte der nachhaltigen Entwicklung ignorieren. Denn die sich hier aufzeigende Gewinngier ist im Grunde nichts anderes als die entfesselte Gier von Einzelpersonen nach Macht und Geltung. (Der Volksmund spricht hier von Neodarwinismus.)
Es ist ersichtlich, dass das institutionelle Kapital nicht mehr an Orte, Personen, tradierte Werte, Nationen und Gesellschaften gebunden ist. Auch dies ist eine Konsequenz der neoliberalen Entfesselung und stellt einen folgenschweren Misstand des Systems dar!
- Es existiert nach wie vor folgende "Kopplung": Geht es den Unternehmen gut, geht es auch der Gesellschaft als Ganzer gut. So entstehen und festigen sich gegenseitig die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft.
Diese Aussage ist ganz offensichtlich falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Der Turbo-Kapitalismus hat zu einer Entkoppelung von Konzernen und nationalen Gesellschaften geführt. So haben z. B. in den vergangenen zwei Jahren gerade die Städte den größten finanziellen Niedergang erlebt, in denen die mächtigsten und erfolgreichsten multinationalen Konzerne angesiedelt waren. Jahrelang haben deutsche Konzerne kaum in Deutschland investiert, sondern stattdessen an internationalen Börsen spekuliert oder sinnlos und weltweit Firmenimperien zusammengekauft. Investierten sie in Deutschland, dann handelte es sich fast immer um so genannte Rationalisierung-Investitionen, d. h. um Verdrängung der Arbeit durch Kapital. Wäre tatsächlich die prognostizierte Kopplung eingetreten, so wäre es angesichts der gigantischen Profite deutscher Pharmakonzerne wohl kaum so kläglich um das deutsche Gesundheitswesen bestellt!
- Die privaten Unternehmen haben effizientere Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung und Finanzierung.
Diese Aussage ist richtig! Tatsächlich haben die gestaltenden politischen Kräfte in den
in den letzten Jahren durch die Entmachtung des Staates die öffentlichen Haushalte ausbluten lassen.
So wurden die "öffentlichen" Landesbanken dazu angehalten, sich von der Finanzierung öffentlicher Projekte und der kleinen und mittleren Unternehmen abzuwenden und in gigantischen Umfang sich an heute irrwitzig erscheinenden Großspekulationen zu beteiligen. Die Verluste waren ebenso gigantisch und belasten jetzt "solidarisch" die ganze Bevölkerung. In einzelnen Fällen gingen auch Sparkassen diesen Weg. Damit wurde den kleinen und mittleren Unternehmen, die 70% (!) der Arbeitsplätze stellen, die Finanzierungsquellen abgeschnitten, zumal auch die Großbanken sich ebenfalls fast ausschließlich und mit gleichem Ergebnis der Großspekulation zuwandten. Das Ergebnis ist eine nie zuvor da gewesene Pleitewelle der kleinen und mittleren Unternehmen (in diesem und letztem Jahr ca. 100.000 Insolvenzen).
- Die privaten Unternehmen haben durch ihre weitläufigen Verbindungen Zugang zu vielfältigen Ressourcen und durch ihre grenzüberschreitenden Aktivitäten einen gewaltigen und befruchtenden Wissenstransfer und dadurch ein größeres Know-how gegenüber öffentlichen Unternehmen.
Das stimmt sicher nicht in Bezug auf die Wasserwirtschaft. Die vier privaten Wasserunternehmen Frankreichs, die sich den Wassermarkt untereinander seit Jahrzehnten aufgeteilt haben, haben im Vergleich mit den öffentlichen Wasserunternehmen in Deutschland weder kostengünstiger noch technologisch effizienter gearbeitet. Sie waren aber jahrzehntelang in Korruptionsfälle verwickelt. (Aus diesem Grund haben sich die Wasserfirmen von ihren tradierten Namen getrennt - hier haben wir es wieder mit der systemimmanenten Verschleierung und Verdunklung zu tun). In der Zwischenzeit haben die französischen Regierungen den privaten Wasserfirmen rigide Regeln für die Wasserwirtschaft in Frankreich auferlegt. Nicht natürlich für die Aktivitäten im Ausland! Unvergessen werden für die Aktionäre die Versuche der Wassergiganten bleiben, sich in neue, wasserfremde Märkte einzukaufen. Sie endeten fast ausnahmslos mit gigantischen Verlusten.
Jeder französische Zeitungsleser weiß, in welchem Umfang die Wasserkonzerne in Frankreich sich mit der Parteienfinanzierung Vorteile verschafft haben und niemanden verwundert es, dass sich ausgerechnet Jaques Chirac für die weltweite Privatisierung des Wassers einsetzt und in Giscart D'Estaings Europäischer Verfassung Tür und Tor für die Privatisierung öffentlicher Unternehmen geöffnet wird.
Damit der Standort Deutschland aber im internationalen Wettbewerb bestehen kann, müssen die deutschen Wasserkonzerne sich der gleichen Mittel bedienen - eine neue Abwärtsspirale kommt in Gang!
- Öffentliche Unternehmen sind ineffizient und entsprechend kostenintensiv und teuer.
Das kann in den Fällen gegeben sein, wo die politische Kontrolle versagt oder gar Korruption und Vetternwirtschaft im Spiele ist.
Es wurde oben gezeigt, dass die öffentlichen Unternehmen "systematisch" von Krediten und anderen Finanzierungsmöglichkeiten abgeschnitten und weitgehend auf sich selbst angewiesen sind. Sehr häufig müssen sie sich auch irrationalen politischen Forderungen unterwerfen. Dass sie unter den vorgegebenen Umständen ihr Unternehmensziel überhaupt erreichen, ist eher erstaunlich.
Beispiel: in Karlsruhe hat die öffentliche Abwasserentsorgung in einer eindrucksvollen Studie nachgewiesen, dass sie trotz dieser Finanzierungsnachteile und politischer Behinderung in jeder Hinsicht einen Spitzenplatz in Deutschland einnimmt. Die FDP-Fraktion im Stadtrat hat daraufhin einen Privatisierungsvorstoß vorläufig (?) zurücknehmen müssen.
II. Strategien gegen den Ausverkauf des Wassers
Aufklärungskampagne
Die WählerInnen müssen durch wahrheitsgemäße und nachvollziehbare Darstellung der tatsächlichen Sachverhalte davon überzeugt werden, dass private Konzerne aus objektiven Gründen für den Bereich der Daseinsvorsorge sehr viel weniger geeignet sind als öffentliche Unternehmen.
Hier sollte insbesondere auch auf die Skandale hingewiesen werden, in die gigantische Konzerne verwickelt sind und die immensen Schäden, die sie angerichtet haben. Sie sind zum Teil oben beschrieben. Es ist an uns, diese Schwäche unserer politischen Gegner für unsere Ziele auszunutzen.
Forderungen
- Wir fordern ein Moratorium in Bezug auf weitere Privatisierungen öffentlichen Eigentums und öffentlicher Unternehmen!
- Entsprechende Schritte der Bundesregierung gegenüber der WTO in Bezug auf die Auslegungen der GATS-Bestimmungen!
- Dies auch gegen die zu erwartenden Proteste deutscher Unternehmen, welche vor allem auch die öffentlichen Unternehmen von Ländern mit niedrigem Organisationsgrad übernehmen wollen (z. B. Im Zuge der Osterweiterung!). Unsere Aufklärungsarbeit muss sich auf auch auf diese Länder erstrecken. Ansonsten leisten wir einem Neokolonialismus Vorschub, der die nachhaltige Entwicklung dieser Länder beeinträchtigen wird!
- Beendigung der Diskriminierung öffentlicher Unternehmen der Daseinsvorsorge und Bereitstellung einer Infrastruktur, die ihnen die Entfaltung ihrer besonderen Möglichkeiten und langfristigen Verpflichtungen erlaubt:
- Die öffentlichen Unternehmen werden vernetzt, behalten aber ihre finanzielle und politische Selbstständigkeit wie bisher.
- Im Rahmen der Vernetzung organisieren sie eine zentrale Einkaufsorganisation und entfalten auf diese Weise ihre gewaltige Einkaufsmacht, die im Bereich der Wasserwirtschaft größer ist, als die jedes Konzerns. Sie treten aber nicht als Konkurrenten gegen private Unternehmen an. (Dies erfordern die von der EU anerkannten WTO Wettbewerbsregeln)
- Sie organisieren einen systematischen Know-how Transfer und werden auf Grund ihrer Größe und Erfahrung auch hier die Konzerne in der technologischen Entwicklung übertreffen können.
- Sie sorgen für effiziente Aus- und Weiterbildung ihres Personals.
(Bei 3 und 4 könnte ein umstrukturierter Städtetag weitergehende Funktionen übernehmen.)
- Sie erhalten durch Landesbanken und Sparkassen eine effektive und solide Finanzierungsmöglichkeit und werden auf diese Weise unabhängig von Spekulationseinflüssen des institutionellen Kapitals und halten sich so im öffentlichen Interesse frei von Spekulationsrisiken. Voraussetzung ist, dass öffentlichen Kreditinstituten die Art von Spekulation untersagt wird, die derzeit viele Landesbanken an den Rand des Ruins gebracht hat und die Steuerzahler viele Milliarden gekostet hat, die jetzt in den öffentlichen Kassen fehlen!
- Organisation einer zentralen juristischen Beratung. Damit muss ausgeschlossen werden, dass einzelne Kämmerer oder befasste Parlamentarier Entscheidungen über öffentliches Eigentum treffen, die sie in ihren Folgen nicht absehen können. (Eine solche zentrale Funktion könnte heute die Risiken und möglichen Auswirkungen von Cross-Border-Leasing-Vereinbarungen abschließend untersuchen und die verschleierten und verdunkelten Zusammenhänge transparent und öffentlich machen.)
- Die übergeordneten, politischen Entscheidungsgremien (Innen- und Finanzminister des Bundes) stellen eine intelligente* "künstliche/statistische Wettbewerbssituation zwischen gleichartigen öffentlichen Unternehmen her und sorgen für einen statistisch gestützten Vergleich mit ausländischen und privaten Unternehmen. (Eine wichtige Vergleichsgröße ist dabei die Gebührenentwicklung für die Verbraucher.) Dadurch soll verhindert werden, dass die öffentlichen Unternehmen im internationalen Vergleich gegenüber privaten Unternehmen technologisch oder in der Wirtschaftlichkeit zurückfallen.
* unter intelligentem Wettbewerb wird das Herbeiführen und Vergleichen von Ergebnissen verstanden, bei deren Erzielung eine Vielzahl wesentlicher Bedingungen berücksichtigt werden. Am Beispiel der Wasserversorgung und Entsorgung: u. a. die Nachhaltigkeit, die aktuelle Umweltverträglichkeit, der Grad der Arbeitsrationalisierung (Substitution der Arbeit durch Kapital ohne Berücksichtigung der gesellschaftlichen Folgekosten) und der Energieeinsatz.
- Die Auswahl der Führungspersönlichkeiten öffentlicher Unternehmen muss in transparenten und geregelten Auswahlverfahren erfolgen, die sicher ausschließen, dass politische Parteien dort ihre Parteifreunde unterbringen. Darüber hinaus muss eine Institution geschaffen werden, die aktiv und permanent Korruption von vorne herein verhindert und dafür die Voraussetzungen schafft.
Die hier aufgelisteten Stichpunkte verdeutlichen, dass durchaus reelle Chancen bestehen, die öffentlichen Dienste zu reformieren. Dabei ist der Begriff "Reform" nicht im Sinne eines Propagandaschlagwortes zu verstehen, mit dem Regierung und Opposition derzeit die Notoperationen an der systematisch ruinierten freien sozialen Marktwirtschaft verbal kaschieren. Vielmehr ist der Begriff "reformieren" im Sinne von "zurückformen" gebraucht. Er stellt eine der notwendigen Gegenbewegungen zum neoliberalen Mainstream dar. Denn sehr ernsthaft ist zu befürchten, dass das neoliberale System trotz aller Notoperationen scheitern wird und durch noch rabiatere Neoliberalisierung sein völliges Scheitern zum Schaden aller BürgerInnen nicht mehr verhindert werden kann.
Attac Karlsruhe im März 2004
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Befragung der Bundestagskandidaten
am Freitag den 06.09.2002 um 19:30 Uhr
im Zieglersaal in der Baumeisterstraße 18
( Gaststätte Akropolis )
Guten Tag,
Am Montag, 11. Dez. 2006, 20 Uhr wird Bahman Nirumand sein neues Buch "Iran - Die drohende Katastrophe" vorstellen: Lesung, Vortrag und Diskussion. Veranstalter sind das JUBEZ, die Stephanusbuchhandlung, attac Karlsruhe und Friedensbündnis Karlsruhe.
Bitte leiten sie die Information an Freunde, Bekannte, Interessierte weiter.
Hier ist das Einladungsplakat.
Danke!
Viele Grüße
Elke Neu, Attac Karlsruhe
Der Iran steht seit Monaten im Blick der Weltöffentlichkeit. Zunächst die Wahl des ultrakonservativen Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten und dann der Streit um das Atomprogramm. Die Lage scheint verworren und die Welt schaut besorgt.
Nirumand setzt sich in seinem neuen Buch und im Vortrag kritisch mit dem Iran und dem aktuellen Atomstreit auseinander. Auch die Rolle des Westens wird analysiert und über die Zusammenhänge aus der jüngsten politischen Geschichte informiert.
Dr. Bahman Nirumand, geboren 1936 in Teheran, studierte in Deutschland Germanistik, Philosophie und Iranistik. Danach arbeitete er als Dozent für Literaturwissenschaft an der Universität Teheran. Er geriet bald mit dem Schah-Regime in Konflikt und flüchtete 1965, um einer bevorstehenden Verhaftung zu entgehen. 1979, kurz vor der Machtübernahme der Islamisten, kehrte er in den Iran zurück, musste jedoch nach dreijährigem Aufenthalt abermals ins Exil gehen, zunächst nach Paris, dann nach Berlin. Nirumand ist Autor zahlreicher Bücher, schreibt regelmäßig für die taz, die NZZ und andere deutsche und internationale Blätter. Seit 2001 verfasst er den monatlichen Iran Report der Heinrich-Böll-Stiftung.
Termin Montag, 11.12.2006, 20:00 Uhr
Eintritt Vorverkauf 4 Euro / Abendkasse 6 Euro
Für den Vorverkauf wenden Sie sich bitte an die Veranstalter.
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Big Pharma und die sieben Zwerge

attac-Gruppe WTO und Widerstand (Karlsruhe) lädt ein:
Big Pharma und die sieben Zwerge
Die Rolle von Forschung und Welthandel im Gesundheitswesen
Straßentheater Schluck&weg am 27. Mai , 15 + 16 Uhr
auf dem Karlsruher Marktplatz
Theater + Vortrag mit Dr. Christian Wagner (BUKO-Pharmakampagne) am 27.Mai, 19 Uhr in der ESG; Gartenstr. 29a
Schneewittchen leidet unter der Schlafkrankheit, doch Medikamente gibt es nicht. Die LaienschauspielerInnen der BUKO Pharma-Kampagne erzählen das alte Märchen von Schneewittchen neu und geben ihm politische Brisanz. Am Abend wird zudem viel Hintergrundwissen über die Rolle der Welthandelorganisation und die Geschäfte im medizinischen Sektor, insbesondere beim Umgang mit Patenten und der Privatisierung im Gesundheitswesen vermittelt.
Während die böse Stiefmutter sich um Beinbehaarung, Speckpölsterchen und die Impotenz des Gemahls sorgt, wächst der Neid auf das schöne Schneewittchen. Das arme Mädchen flieht zu den Zwergen. Tödliche Seuchen haben das kleine Volk arg dezimiert und auch Schneewittchen infiziert sich durch einen Mückenstich mit der Schlafkrankheit. Aber der Kuss des Prinzen ist im modernen Märchen obsolet geworden. Medikamente müssen her. Doch Big Pharma lässt die wenig zahlungskräftigen Zwerge abblitzen. Statt dessen legt sich die Arzneimittel-Maschinerie für die Stiefmutter ins Zeug, kuriert Beinbehaarung, Glatze und Impotenz...
Die Pharmaindustrie investiert jährlich viele Milliarden Euro in die Forschung. Aber zum größten Teil dient sie der Jagd nach neuen Life-Style-Mitteln, Medikamenten gegen Allergien oder hohen Blutdruck. Hier sind Top-Absatzmärkte garantiert. Wichtige Forschung zur Behandlung von Tropenkrankheiten findet dagegen kaum statt. Die Produktion lebenswichtiger Arzneimittel wird nicht selten sogar gestoppt, wenn die Profite ausbleiben. Zudem sichern sich die Pharmamultis weitere Einnahmequellen durch internationale Verträge, die im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) geschlossen werden (GATS- General Agreement for Trade an Services; TRIPS - Trade Related Intellectual Property Rights).
Schluck & weg lädt ein zum Hinschauen, Mitfühlen, Weiterdenken und Mitreden. Sie ist Deutschlands älteste politische Straßentheatergruppe. Seit 1983 rollt ihr bunt bemalter Theaterbus jährlich durch deutsche Städte und Fußgängerzonen, diesmal auch durch Karlsruhe. Dr. Christian Wagner befasst sich beruflich bei der BUKO-Pharmakampagne mit den Geschäften der Pharmamultis.
Mit freundlicher Unterstützung der ESG Karlsruhe.
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Bilder, Banner und Photos der Bewegung
Hier ist Platz für eure kritischen Bilder, für Demophotos und Banner und alles was sonst noch mit Design, Malen und Zeichnen in Attac, um und für die Globalisierungskritische Bewegung zu tun hat.
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Wenn ihr Gedichte, Geschichten und/oder Lieder schreibt, findet ihr den Platz dafür in LiederGedichteGeschichten.
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ArneBab - 21 May 2003
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Noch gibt es hier keine Werke. Wenn du dein Werk hier sehen möchtest, änder' die Seite selbst, oder schick mir eine Mail.
Bilder des Krieges – Krieg der Bilder?
Krieg und Frieden in Film und Fotografie
Veranstaltungsreihe der VHS Baden-Baden in Zusammenarbeit mit der attac Regionalgruppe Baden-Baden
Wie werden Krieg und Frieden im Film dargestellt? Welche Möglichkeiten besitzt das Medium Film, über Kriege und Kriegsursachen zu informieren? Und können Filme Bewußtsein verändern?
Diese Fragen möchten wir anhand von Filmen zu verschiedenen Kapiteln der deutschen Geschichte diskutieren. In kurzen Einleitungen werden jeweils die Filme und ihre geschichtlichen Hintergründe vorgestellt. Im Anschluß an jeden Film gibt es die Gelegenheit zur Diskussion. So unterschiedlich die Filme und ihre Themen sind, sie haben eins gemeinsam: alle Filme lösten zu ihrer Zeit gesellschaftliche Debatten aus und wurden zensiert oder gar verboten.
Samstag, 7. Oktober 2006, 16.00 Uhr – 19.00 Uhr: IM WESTEN NICHTS NEUES (USA 1930)
Der amerikanische Spielfilm gilt als der Klassiker des Antikriegsfilms schlechthin. Er schildert das Fronterlebnis einer Schulklasse, die sich im Ersten Weltkrieg freiwillig zum Dienst an der Waffe meldet. Keiner der Schüler überlebt den Krieg. Am Beispiel dieses Films soll untersucht werden, welche stilistischen Mittel einen Antikriegsfilm auszeichnen.
Dienstag, 10. Oktober 2006, 20.00 Uhr: DER LÄNGERE ATEM (BRD 1981)
Der Dokumentarfilm schildert anhand von Zeitzeugen-Interviews und historischen Filmaufnahmen die Geschichte der Friedensbewegung gegen die Wiederbewaffnung in den Fünfziger Jahren. Durch eine Auseinandersetzung mit den historischen Fakten soll eine Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen von Dokumentarfilmen geführt werden.
Dienstag, 17. Oktober 2006, 20.00 Uhr: DER LACHENDE MANN (DDR 1965)
Anhand eines Interviews mit einem deutschen Söldner sowie mit Archivmaterial zeigt der Film die Grausamkeit des von ausländischen Söldnern unterstützten Bürgerkriegs in der Republik Kongo. Der Film gilt als Musterbeispiel für den propagandistischen Dokumentarfilm. Im Vergleich mit anderen Dokumentarfilmen sollen Stilmittel der Propaganda identifiziert und diskutiert werden.
Dienstag, 24. Oktober 2006, 20.Uhr: KRIEGSFOTOGRAFIE – KRIEG DER BILDER?
Viele Kriegsfotografien sind zu Ikonen geworden und prägen das Bild bestimmter Konflikte über Generationen. Anhand historischer und aktueller Beispiele soll die Rolle von Fotografen in Kriegssituationen diskutiert werden. Wann ist ein Foto ein neutrales Dokument? Wie werden Fotos für propagandistische Zwecke mißbraucht? Gibt es Stereotypen, die immer wieder bedient werden?
Alle Veranstaltungen finden in der VHS Baden-Baden, Hermannstr. 2, statt.
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Rückfragen an
Istar.Buscher@gmx.de
Hier der Einladungsflyer als PDF:
Wie Meinung gemacht wird:
Gesteuerte Demokratie
Über die Durchsetzung neoliberaler Ziele in Politik und Gesellschaft
Vortrag und Diskussion mit
Sabine Nehls, M.A.
Institut für Politische Wissenschaft, Hamburg
am Donnerstag, 10. Mai 2007
19 Uhr Zieglersaal, Baumeisterstraße 18, Karlsruhe
Deutschland entwickelt sich unter Rot-Schwarz (wie vorher unter Rot-Grün) höchst unbefriedigend:
- So wird das Sozialsystem abgebaut, weil man sich scheut, angemessene Abgaben auch dort einzuziehen, wo zwar hohe Profite gemacht werden, aber nur geringe oder überhaupt keine Steuern entrichtet werden.
- So werden Schadstoffbelastungen der Umwelt sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen aus "wirtschaftlichen" Gründen nicht im erforderlichen Maß reduziert.
Die bisherige "Reformpolitik" ist also nicht zukunftssichernd, sondern unsozial und unökologisch. Diese Art von Politik verschärft noch die bestehende Ungleichheit der Lebenschancen der Bürger unseres Landes, anstatt sie zu mildern. Zu dieser Politik, so behaupten die Machthabenden in Regierung und Wirtschaft, gäbe es keine Alternative; sie unterläge aufgrund der Globalisierung unabänderlichen Sachzwängen.
Diese gebetsmühlenhaft wiederholte Formel des Neoliberalismus hält Attac allerdings für grob irreführend. Auf die Frage, wie diese Irreführung geschieht, lautet unsere Antwort: Die öffentliche Meinung wird hinter dem Rücken der Gesellschaft durch Lobby-Gruppen massiv manipuliert. All dies wollen wir auf unserer öffentlichen Veranstaltung erläutern.
Und wir wollen mit Ihnen diskutieren, wie man sich dazu eine eigene fundierte Meinung bilden und sich dagegen schützen kann.
Hintergrund:
Eine wesentliche Basis unserer Demokratie ist die frei und unzensiert gebildete und geäußerte Meinung. (Dies wird durch den Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert.) Seit geraumer Zeit wird jedoch die öffentliche Meinungsbildung in Deutschland zunehmend durch neoliberale Interessengruppen manipuliert: mit Methoden, die nicht offengelegt werden und in der Öffentlichkeit weithin unbemerkt bleiben.
Zwei Beispiele:
- Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM):
Die INSM ist eine neoliberale Lobby-Organisation der Wirtschaft, der führende Köpfe aus Politik und Wirtschaft als "Botschafter" dienen; Hauptgeldgeber ist der Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Mit einem Budget von 20 Millionen Euro jährlich finanziert die INSM Werbeagenturen, die die öffentliche Meinung im Sinne neoliberaler "Reformen" beeinflussen soll. So werden entsprechende Internet-Auftritte und Fernsehsendungen veranlasst und Artikel mit angeblich wissenschaftlichen Ergebnissen in der Presse lanciert. So geben bezahlte Mitarbeiter der INSM in Interviews "freie Meinungen" zum Besten. Hier herrscht also eine unheilige Allianz zwischen Presse und Wirtschaft!
- Die Bertelsmann-Stiftung (BS):
Eine ähnliche lobbyistische "Werbemaschine" ist die BS. Sie ist ein Kind des Medienmoguls Reinhard Mohn und beschäftigt sich insbesondere mit Gutachten zu verschiedenen Themen der Politik und Gesellschaft, wobei sie stets für jene Ziele plädiert, die im Interesse der neoliberalen Wirtschaftspolitik liegen. Zum Beispiel unterstützt sie unter dem Slogan "Deregulierung der Bildung" die Einführung von Studiengebühren. Und das angesichts der Tatsache, dass Kinder wohlhabender Eltern (statistisch) eine neunmal so große Chance wie Arbeiterkinder haben, das Gymnasium zu besuchen und zu studieren!
Wussten Sie übrigens, dass z. B. die "Agenda 2010" des Kanzlers Schröder im Wesentlichen von der BS entworfen wurde? Ähnliches geschieht immer häufiger: Politikgestaltung wird zunehmend an "Expertenrunden" delegiert, die von Interessengruppen bestimmt werden. Sowohl die INSM, als auch die BS stellen sogar Unterrichtsmaterial für die Schulen bereit, damit schon die Jugend im neoliberalen Sinne "gebildet" wird.
Aufruf zum Handeln
Die neoliberale Ideologie propagiert auf manipulative Weise, sozialstaatlich geprägte Politik weitgehend zurückzudrängen zugunsten einer "freien" unregulierten Wirtschaft. Dies läuft nicht nur auf eine Verschärfung der sozialen Gegensätze hinaus, sondern auch auf eine Aushöhlung der Demokratie.
Wenn wir somit aktiv auf eine Überwindung des Neoliberalen Systems hinwirken wollen, müssen wir lernen, seine Funktionsweise zu verstehen; insbesondere müssen wir auch die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass das neoliberalistisch geprägte Bild der Wirklichkeit mit den sozialen Realitäten unseres Landes nicht im Einklang steht.
Daher sind alle Mitbürgerinnen und Mitbürger ganz herzlich eingeladen!
22.04-2005:
Audio-/Video-Mitschnitt vom Karlsruher Filmfestival 2007, am Anfang mit Informationen zur "INSM":
11.05.2007:
PUBLIC RELATIONS: "Saubere Namen für dreckige Zwecke"
27.11.2007:
Bertelsmann-kritische Tagung
Das Schattenkabinett aus Gütersloh
Drahtzieher bei Privatisierung, Sozialabbau und Militarisierung
Wikipedia: Das Propagandamodell von Noam Chomsky und Edward S. Herman
In der Reihe Karlsruher attac-Gespräche laden wir ein
Kapital brutal
In Brüssel wird an einer Dienstleistungsrichtlinie gearbeitet, die Konzernen Lohn- und Sozialdumping und das Unterlaufen von Arbeits-, Umwelt- und Verbraucherschutz erleichtern soll. Richtlinien sind Rahmengesetze, die von der EU-Kommission ausgearbeitet und vom Ministerrat und dem EU-Parlament verabschiedet werden. Viele sprechen vom bedeutendsten EU-Projekt seit Einführung des Euro. Sollte diese Richtlinie beschlossen werden, müssten die Mitgliedsstaaten ihre Gesetze so ändern, dass für fast alle grenzüberschreitend erbrachten Dienstleistungen in der EU das Herkunftslandprinzip gilt. Lohndumping und weiterer Sozialabbau wären die Folge.
Information und Diskussion
Do 21.4.05
20 Uhr
Karlsruher Verdi-Haus
Rüppurrerstr.1a
Die Veranstaltung wird von der GATS-Arbeitsgruppe (siehe auch
Themengruppen) von Attac-Karslruhe in Zusammenarbeit mit ver.di organisiert